primata.de - Die Seite über Affen und uns

Ein Primat ist ein Mitglied der biologischen Ordnung Primates, zu der man die Lemuren, Loris, Galagos, Koboldmakis, Affen, Menschenaffen und Menschen zählt. Mit Ausnahme der Gattung Mensch, die auf jedem Kontinent der Erde lebt, bewohnen die meisten Primaten die tropischen und subtropischen Regionen auf den Kontinenten Südamerika, Afrika und Asien. In Europa und Nordamerika kommen Primaten nur in Randgebieten vor, und zwar in Gibraltar respektive Süd-Mexiko.

Das Wort „Affe“ hat für viele Menschen auf der Welt die selbe Bedeutung. Man denkt an Zoo-Affen, Zirkus-Affen, Affen aus Comics, du bist ein Affe, machen Sie keinen Affen aus Ihnen, jemanden nachäffen, mich laust der Affe... und so weiter.

In Cartoons oder Illustrationen haben Affen oft einen langen Schwanz, den sie verwenden, um sich schwingend von Baum zu Baum fortzubewegen. Im wirklichen Leben trifft dies freilich nur für sehr wenige Primaten zu! Karikaturen von Affen haben oft einen großen breiten Mund und einen lustigen, humorvollen Blick. Bei vielen Menschen entsteht durch diese Karikaturen oft eine falsche Vorstellung von der Vielfalt dieser erstaunlichen Gruppe von Säugetieren.

Der "Affe", an den wir denken, wenn wir dieses Wort hören, ist ein drolliges Tier, das wir aus Filmen und Karikaturen kennen. Man denke nur an die altehrwürdige Cheetah, Tarzans Affengefährtin, oder an den Kinofilm „Planet der Affen” oder an die ZDF-Serie „Unser Charly”. Der „Affe” richtet oft aus purem Übermut kleinere Schäden an und ist Gegenstand vieler Witze - kurzum: Der Affe vermittelt Spaß und Unfug.

Das Wort „Affe” passt aber nicht wirklich für alle Arten, die man in der Umgangssprache fast beiläufig als „Affen” bezeichnet. Die einzige korrekte Bezeichnung, die für alle diese Tierarten gilt, ist „Primaten”. Auch der Mensch ist ein Primat. Wissenschaftlich gesehen gehören wir zur Gruppe der großen afrikanischen Menschenaffen. Beide werden oft als „Affen” bezeichnet, jedoch aus sehr unterschiedlichen Gründen!

Aber auch die wissenschaftliche Beschreibung von Affen vermittelt kaum ihre faszinierende Ausstrahlung. Dies trifft besonders auf die Definition der Primaten zu, die der englische Biologe Saint George Jackson Mivart im Jahr 1873 vorlegte:

  • Mit Krallen und Schlüsselbeinen versehene Plazentatiere mit von Knochen umgebenen Augenhöhlen
  • drei Arten von Zähnen, mindestens ein Zahnwechsel
  • Gehirn immer mit einem hinteren Lappen und einer verkalkten Fissur
  • die innersten Zehen mindestens eines Extemitätenpaars sind gegenüberstellbar, Großzehe mit flachem oder ohne Nagel
  • gut entwickelter Blinddarm
  • frei hängender Penis
  • Hoden im Skrotum
  • immer zwei Milchdrüsen an der Brust

Diese nüchterne Beschreibung deutet in nichts darauf hin, wie „Affen” die Kulturen der Welt beeinflusst haben ... Affen sind in jeder tropischen Region der Welt und sogar in einigen gemäßigten Breiten zu Hause. Sie sind allseits beliebte Tiere, vor allem bei Kindern. Sie erscheinen in Fabeln, Märchen, Romanen, Geschichten, Filmen, Bildbänden, wissenschaftlichen Abhandlungen, Werbung ... Affen gibt es überall.

Primaten werden in die beiden Unterordnungen Strepsirrhini und Haplorrhini unterteilt. Die Strepsirrhini kennzeichnet ein vorstehender, feuchter und mit Drüsen besetzter Nasenspiegel (die Fläche nackter Haut rings um die Nasenlöcher). Bei den Haplorrhini dagegen ist die Nase flach und behaart. Die Strepsirrhini ähneln den frühen Primaten. Sie haben längere Schnauzen, einen besser entwickelten Geruchsinn und ein kleineres Gehirn. Man unterteilt sie in drei Untergruppen: afrikanische Buschbabys (Galagonidae), altweltliche Bärenmaki/Lori/Potto-Gruppe (Loridae) sowie die Lemurenverwandten Madagaskars (die fünf Familien Lemuridae, Cheirogaleidae, Indriidae, Megaladapidae† und Daubentoniidae). Bemerkenswert ist, dass Feuchtnasenaffen nie die Neue Welt besiedelt haben.

Bei den Haplorrhini unterscheidet man drei Gruppen: Breitnasen- oder Neuweltaffen (Platyrrhini), Schmalnasen- oder Altweltaffenaffen (Catarrhini) und Koboldmakis (Tarsiidae).

Die Breitnasenaffen umfassen alle Arten der Neuen Welt. Zu ihnen gehören die Krallenaffen (Callitrichidae) mit Marmosetten und Tamarinen sowie die Kapuzinerartigen (Cebidae), zu denen Kapuzineraffen (Cebus) und Totenkopfäffchen (Saimiri) gehören. Zu den Klammeraffenartigen (Atelidae) gehören die Brüllaffen (Alouatta), die Spinnenaffen (Brachyteles), die Wollaffen (Lagothrix) und die Klammeraffen (Ateles). Zu den Schweifaffen zählt man die Uakaris (Cacajao), die Springaffen (Callicebus), die Bartsakis (Chiropotes) und die Sakis (Pithecia). Schließlich bilden die Nachtaffen (Aotus) die einzigste nachtaktive Gruppe unter den höheren Primaten.

Zu den Schmalnasenaffen zählen alle Primaten der alten Welt. Zu ihnen gehören die Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) mit den Familien Cercopithecinae (Meerkatzen, Makaken und Paviane) und Colobinae (Schlank- und Stummelaffen) sowie die Menschenartigen (Hominoidea) mit Großen Menschenaffen (Hominidae) und Gibbons (Hylobatidae). Die Koboldmakis (Tarsiidae) sind eine relativ kleine Gruppe von fünf südostasiatischen Arten, die sich ausschließlich von Insekten ernähren.

Primaten sind für den Menschen in vieler Hinsicht eine wichtige Tiergruppe. Wegen ihrer nahen biologischen Verwandtschaft zum Menschen werden sie für verschiedenste Zwecke eingesetzt. Primaten gehören zu den beliebtesten Exponaten in Zoos, weil sie so viele Ähnlichkeiten mit uns Menschen haben. Primaten aller Größen wurden (und werden immer noch, in der Regel illegal) als Haustiere gehalten. Viele Primaten fallen dem Handel mit Buschfleisch („bushmeat“) zum Opfer, da sie bei vielen Afrikanern als Delikatesse gelten und unterschiedliche Körperteile von Affen werden als native Medizin verwendet.

Aufgrund ihrer biologischen Ähnlichkeit mit den Menschen waren Affen als Labortiere sehr beliebt - und oft schrecklichen Behandlungen als Versuchstiere unterzogen. Die heutige Tierschutzgesetzgebung in vielen Ländern fordert eine "humane Behandlung" der Labor-Affen, wie auch der anderen Tiere in allen Aspekten ihres Lebens in Gefangenschaft.

In den USA gibt es Bemühungen, bestimmte Arten kleiner Affen für Menschen mit Behinderungen auszubilden, um tägliche Aufgaben wie das Holen oder Tragen von Gegenständen zu übernehmen.

Wegen ihrer menschenähnlichen Reaktionen auf Schwerelosigkeit und andere Bedingungen im Weltall haben Primaten auch eine große Rolle in den Raumfahrt-Programmen der Vereinigten Staaten und der ehemaligen Sowjetunion gespielt. Der erste Primat im Orbit war 1958 der Totenkopfaffe „Gordo“, der an Bord einer Redstone-Rakete in den Weltraum befördert wurde. Das Privileg, der Erste zu sein, musste Gordo leider mit seinem Leben bezahlen.

Primaten sind Lebewesen mit eindeutigen Merkmalen, die charakteristisch für diese Säugetierordnung sind. Diese Merkmale sind bei den verschiedenen Familien der Primaten recht ähnlich, wobei die höher entwickelten Primaten wie Menschenaffen und Menschen mit recht erstaunlichen und vielseitigen Fähigkeiten aufwarten können. Eines der wichtigsten Merkmale eines Primaten ist sein großes Gehirn, das es ihm ermöglicht zu „denken”. Darüber hinaus haben Primaten opponierbare Daumen, die ihnen helfen, Objekte besser zu fassen und damit Werkzeuge zu schaffen und zu nutzen. Die Augen aller Primaten sind nach vorne gerichtet, und ermöglichen es den Tieren, Gegenstände dreidimensional zu sehen und räumliche Tiefe wahrzunehmen.

 

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