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Anatomie der Primaten: Fortpflanzung

Soziale Gruppen bei Primagen
Japanmakaken im Jigokudani Monkey Park, Yudanaka Onsen, Japan.

Alle Primaten verfügen über das für alle Säugetiere charakteristische Fortpflanzungssystem. Dabei wird das Ei innerhalb des Körpers befruchtet und der Embryo entwickelt sich über viele Monate in der Gebärmutter der Weibchen, bevor es zur Geburt kommt.

Dieses grundlegende, säugetierspezifische Muster von umfangreicher, mütterlicher Investition in den Nachwuchs während dessen Entwicklung im Mutterleib und der nachfolgenden Versorgung des Säuglings mit Milch (für Monate oder noch Jahre nach der Geburt) hat eine große Bedeutung für die Evolution des Sozialverhaltens der Primaten. Auf dieser Seite wird kurz die dem Fortpflanzungssystem der Primaten zugrunde liegende Anatomie behandelt.

Die anatomischen Strukturen, die bei Primaten mit der Fortpflanzung in Zusammenhang stehen, sind ähnlich wie bei allen anderen Säugetieren. Das männliche Fortpflanzungssystem zeigt eine geringere Variabilität zwischen den verschiedenen Arten als das weibliche. Wie bei anderen Säugetieren haben männliche Primaten ein Paar Hoden, die normalerweise am unteren Ende der vorderen Bauchwand in einem Beutel, dem Hodensack oder Skrotum, hängen. Die Position der Hoden männlicher Primaten ist von Art zu Art verschieden, in der Regel befinden sie sich jedoch hinter dem Penis, nachdem sie aus ihrer fötalen Position im Bauch in die entgültige Position im Hodensack hinuntergewandert sind. Bei Primaten gibt es erhebliche Unterschiede in der relativen Größe der Hoden, was möglicherweise mit dem Paarungsverhalten im Zusammenhang steht. Auch gibt es in der Größe und dem äußeren Erscheinungsbild des Penis bemerkenswerte Unterschiede. Bei den meisten nicht-menschlichen Primaten befindet sich ein Knochen im Penis, den man Baculum nennt.

Wie alle Säugetiere, haben weibliche Primaten paarige Eierstöcke und Eileiter. Letztere verlaufen seitlich von der Mittellinie der Gebärmutter zu den Eierstöcken. Es gibt erhebliche Unterschiede bei den Primaten in der relativen Größe der Eileiter und der Gebärmutter. Bei Lemuren und Loris sind die Eileiter groß im Verhältnis zur Gebärmutter, ein Zustand, den man normalerweise bei Säugetieren vorfindet, die mehrere Junge pro Wurf gebären. Bei Kobolmakis, Affen, Menschenaffen und Menschen sind die Eileiter relativ dünn und die Gebärmutter ist viel größer, diesen Zustand findet man in der Regel bei Säugetieren vor, die pro Wurf nur ein einzelnes Jungtier zur Welt bringen.

Die Scheide (Vagina) liegt unterhalb der Gebärmutter (Uterus); sie öffnet sich auf dem Perineum, das ist die Region zwischen After und den äußeren Geschlechtsorganen. Die äusseren Genitalien der weiblichen Primaten bestehen in der Regel aus zwei Arten von Schamlippen (Labia) auf beiden Seiten des Scheideneingangs sowie aus der Klitoris, die sich vor (anterior) der Vagina befindet. Die Klitoris der weiblichen Primaten ist in Größe und Form unterschiedlich: Bei einigen Arten ist sie klein und unter einer Haube versteckt, bei anderen ist sie groß und hängend, in einigen Fällen sogar größer als der Penis des Männchens (Klammerschwanzaffen). Darüber hinaus haben viele weibliche Primaten Hautregionen rund um die äußeren Genitalien, die Farbe und Größe während des Sexualzyklus ändern. Bei einigen Arten wie Pavianen und Schimpansinnen sind diese sexuellen Schwellungen enorm groß und stellen eine ziemlich spektakuläre „Zurschaustellung” der Empfängnisbereitschaft eines Weibchen dar.

Primaten unterscheiden sich beträchtlich in der Periodizität der Fortpflanzungsphysiologie. Das eine Extrem sind die madagassischen Lemuren, bei denen die reproduktiven Aktivitäten sowohl der Männchen als auch der Weibchen auf einen einzigen Tag pro Jahr begrenzt sind, das andere Extrem sind die meisten höheren Primaten, bei denen die männliche Spermienproduktion über das ganze Jahr relativ konstant zu sein scheint und der weibliche Eisprung regelmäßig in etwa monatlichen Abständen stattfindet. Doch es gibt auch zahlreiche Arten, bei denen sowohl die männliche als auch die weibliche Aktivität (Spermienproduktion und Eisprung) auf ein oder zwei Saisons pro Jahr begrenzt ist, oft als Reaktion auf äußere Umweltreize wie Verfügbarkeit von Nahrung oder der Länge der Tage.

Im Vergleich zu vielen anderen Säugetieren haben Primaten sehr kleine Würfe. Die meisten Arten bringen pro Wurf nur ein einzelnes Junges zur Welt. Nur bei wenigen Gruppen, wie einigen madagassischen Feuchtnasenaffen und den Marmosetten und Tamarinen der Neuen Welt sind Zwillingsgeburten die Regel.

Ein Aspekt in Bezug auf die Fortpflanzungsanatomie heute lebender Primaten sind die erheblichen Unterschiede in der Form der Plazenta und anderer Strukturen, die im Zusammenhang mit der Entwicklung des Fetus im Mutterleib stehen. Bei den meisten Lemuren und Loris ist die Fruchtblase diffus in der Gebärmutterhöhle ausgebreitet und der fetale Blutkreislauf ist in Form von mehreren Gewebeschichten vom mütterlichen Blutkreislauf getrennt - diese Form der Plazenta nennt man Placenta epitheliochorialis. Bei Koboldmakis und allen anderen höheren Primaten ist die Plazenta durch ein oder zwei Scheiben getrennt und es gibt eine viel größere Annäherung zwischen fetalem und mütterlichem Blut - in diesem Fall spricht man von einer Placenta hemochorialis. Bei den großen Menschenaffen und Menschen erreicht die Annäherung des fetalen und mütterlichen Blutkreislaufs den höchsten Grad und bietet innerhalb der Ordnung der Primaten die effizienteste Übertragung von Nährstoffen an den Fetus.

Literatur

Hill W. C. O. 1972. Evolutionary Biology of Primates. New York: Academic Press.

Dukelow W. R., and Erwin J. (eds.) 1986. Comparative Primate Biology: Reproduction and Development: 3. New York: Alan R. Liss.