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Anatomie der Primaten: Der Schädel

Schädel eines Drills (Mandrillus leucophaeus), ausgestellt im Osaka Museum of Natural History

Die Anatomie des Kopfes, oder Craniums, spielt eine besonders wichtige Rolle beim Studium der entwicklungsgeschichtlichen Anpassungen von Primaten während ihrer Evolution. Viele der anatomischen Merkmale, die traditionell verwendet wurden, um die systematischen Beziehungen unter den Primaten abzugrenzen, sind kraniale Merkmale, und die meisten Kenntnisse über fossile Primaten bauen auf dieser Region auf.

Der Schädel eines erwachsenen Primaten besteht aus vielen verschiedenen Knochen, die zusammen eine hohle, knochige Schale bilden, in der sich das Gehirn und spezielle Sinnesorgane befinden, und er stellt die Basis für die Zähne und die Kaumuskulatur. Nur der Unterkiefer, die Mandibula, und die drei Knochen des Mittelohres sind voneinander getrennte bewegliche Elemente. Die anderen Teile sind zu einer Einheit, dem Schädel, verschmolzen. Dieser lässt sich grob in zwei Bereiche unterteilen: die hintere (posterior) Gehirnschale oder Neurocranium, und den vorderen (anterior) Gesichtsschädel oder auch Viscerocranium.

Die Gehirnschale dient als knöcherne Schutzhülle für das Gehirn sowie für die akustische Region, und als Ansatzfläche für die Kaumuskulatur sowie für die größeren Muskeln, die für die Bewegung des Kopfes auf dem Hals zuständig sind. Drei paarige, flache Knochen, das Stirn-, Scheitel- und Schläfenbein, bilden den oberen und seitlichen Teil der Hirnschale (das Schläfenbein ist ein relativ komplizierter Knochen mit mehreren getrennten Teilen). Die hinteren und unteren Teile des Hirnschädels werden von einem einzigen Knochen gebildet, dem unpaarigen Hinterhauptbein, das ebenfalls aus mehreren Teilen besteht. Ein komplexer, schmetterling-förmiger Knochen, das unpaarige Keilbein, bildet die vordere Fläche des Gehirnschädels und ist mit dem Gesichtsschädel verbunden.

Die Gesichtsregion besteht aus dem Oberkieferknochen (Maxilla) und dem Zwischenkieferbein (Os incisivum), welche die oberere Zahnreihe enthalten, aus dem Jochbein (Os zygomaticum), aus der seitlichen (lateralen) Wand der Augenhöhle (Orbita), dem Nasenbein und zahlreichen kleineren Knochen, aus denen sich die Augenhöhle und die innere Nasengegend formen. Der Unterkiefer (Mandibula) enthält die unteren Zähne. Bei vielen Säugetieren und den meisten Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini), sind die beiden Hälften des Unterkiefers vorne locker in einer Weise verbunden, dass sie sich unabhängig voneinander etwas bewegen können. Diese Verbindung nennt man Unterkiefersymphyse. Bei den höheren Primaten, einschließlich des Menschen, sind beiden Seiten des Unterkiefers zu einer einzigen Knocheneinheit miteinander verschmolzen.

Schädel eines Kapuzineraffen und eines Lemuren

Obwohl alle Primatenschädel aus den gleichen Komponenten zusammengesetzt sind, können sie sehr unterschiedliche Erscheinungsformen haben - abhängig von der relativen Größe und Form der einzelnen Knochen. Der Schädel dient als Basis und als struktureller Rahmen für den ersten Teil des Verdauungssystems und als Schutzhülle für das Gehirn sowie spezielle Sinnesorgane für Sehen, Riechen und Hören. Ein großer Teil der unterschiedlichen Erscheinungsformen des Primatenschädels spiegelt seine zahlreichen, oft widersprüchlichen Funktionen wider, die diese einzelne Knochenstruktur zu leisten im Stande sein muß. Ein Beispiel: obwohl die Größe der Augenhöhlen am unmittelbarsten mit der Größe der Augäpfel zusammenhängt, aber auch damit, ob ein Primat während des Tages oder der Nacht aktiv ist, beeinflussen sie auch die Form und Lage der Nasenhöhle und die Richtung, in der die Kräfte des Kauapparates im Gesicht wirken.

Ein weiterer Aspekt der Schädelanatomie von Primaten, der besondere Aufmerksamkeit verdient, ist die Gesichtsmuskulatur. Bei den Primaten, und vor allem bei Menschen, differenziert sich die mimische Muskulatur in separate Einheiten und ist höher entwickelt als bei allen anderen Gruppen von Säugetieren. Diese Muskeln machen die riesige Palette an visuellen Ausdrucksformen möglich, die das Verhalten von Primaten charakterisiert.

Literatur

Moore W. J. 2009. The Mammalian Skull (Biological Structure and Function Books). Cambridge: Cambridge University Press.