Wir Primaten!

Primaten und ihre Nutzung der Lebensräume


Primaten leben in einem komplexen Umfeld mit vielen sich ständig verändernden Bedingungen. Eine Möglichkeit für Gruppen von Primaten mit dieser Komplexität zurechtzukommen, ist die Beschränkung ihrer Aktivitäten auf einen ihnen wohlbekannten, begrenzten Bereich des Waldes. So sind Primaten sehr standorttreu.

Im Gegensatz zu vielen Vögeln oder anderen Säugetieren, die jahreszeitlich bedingt viel umherwandern, verbringen die meisten Primaten ihre Tage, Jahre und oft ihr ganzes Leben in einem einzigen, relativ kleinen Waldstück. Um diesen begrenzten Lebensraum effektiv nutzen zu können, müssen Primaten viele Dinge wissen - den Standort verschiedener Nahrungs-Bäume und ihre saisonalen Zyklen, die besten Wege um letztere zu erreichen, die besten Wasserquellen, und die sichersten Orte zum Schlafen. Viele Forscher haben darauf hingewiesen, dass es diese Notwendigkeit der Kenntnis über die Umgebung sein könnte, die für die Evolution der geistigen Fähigkeiten der Primaten verantwortlich ist (MacKinnon, 1974; Milton, 1981).

Forscher verwenden eine einheitliche Terminologie, um verschiedene Muster der Lebensraumnutzung von Primaten und anderen Tieren zu beschreiben. Der Bereich, innerhalb dessen sich ein Individuum oder eine Gruppe an einem Tag (oder in einer Nacht) bewegt, nennt man Tagesbereich (day range). Wenn wir diese Bewegungsmuster über einen längeren Zeitraum (z.B. ein Jahr) beobachten und auf eine Karte übertragen, können wir die Gesamtfläche erkennen, die eine Primatengruppe während eines Jahres nutzt. Dieser Bereich der Land- oder Waldfläche heißt Revier (home range). Oft nutzen Primatengruppen einen Teil ihrer Reviere besonders intensiv mit nur gelegentlichen, oft saisonalen Ausflügen in andere Teile. Diese intensiv genutzten Revierflächen werden als Kernbereich (core range) bezeichnet. Häufig kommt es vor, dass sich die Reviere von benachbarten Gruppen der gleichen Art überschneiden. In anderen Fällen gibt es fast keine Überschneidungen und die Gruppenmitglieder verteidigen die Grenzen ihrer Reviere aktiv durch Kampfhandlungen oder vokale Auseinandersetzungen. Diese gegen Artgenossen verteidigten Bereiche werden als Territorium bezeichnet.

Literatur

Mitani J. C., Rodman P. S. 1979. Territoriality: The relation of ranging pattern and home range size to defendability, with an analysis of territoriality among primate species. Behav. Ecol. Sociobiol. 5:241-251. DOI: 10.1007/BF00293673

Oates J. F. 1986. Food distribution and foraging behavior. In: B. B. Smuts, D. L. Cheney, R. M. Seyfarth, R. W. Wrangham, and T. T. Struhsaker (eds.) Primate Societies, pp. 11-24. Chicago: The Univeristy of Chicago Press.