0
0
Letzte Meldung:    Weltweite Bedrohung von Primaten betrifft uns alle   Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) fordern zusammen mit einem internationalen Expertenteam sofortige M....
Alles über Primaten
Lemuren und Loris
Koboldmakis
Neuweltaffen
Backentaschenaffen
Schlankaffen
Menschenaffen
Evolution

Lebensräume der Primaten: Die Tropen

Tropische Wälder, wie sie von den meisten Primaten bevölkert werden, sind die komplexesten Ökosysteme der Erde, immer von Tausenden von Pflanzenarten, Hunderten von Wirbeltieren, und unzähligen Insekten und anderen wirbellosen Tierarten bevölkert. Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass die Evolution der heute lebenden Primaten mit der Evolution anderer Tiere und Pflanzen dieser komplexen Umwelt in engem Zusammenhang steht.

Pflanzen sind z. B. nicht so passive Elemente des Waldes, wie sie auf den ersten Blick scheinen mögen. Die natürliche Selektion hat bei Pflanzen jene aufwändigen und komplexen Mechanismen hervorgebracht, die zur Erlangung der benötigten Ressourcen in Form von Licht und Nährstoffen notwendig sind, einschließlich der Verteidigung ihrer Blätter gegenüber Pflanzenfressern, der Anziehung von Bestäubern und der Sicherstellung, dass ihre Samen gut verteilt und für die Keimung vorbereitet sind. Die farbenfrohen, saftigen und gutschmeckenden Früchte, von denen sich zahlreiche Primaten ernähren, entwickelten diese Merkmale wahrscheinlich nur zu dem Zweck, um Primaten als Fortpflanzungshelfer zu gewinnen: einmal gefressen, werden die Samen in den Früchten weit über den Waldboden verstreut. Neben ihrer Attraktivität auf manche Früchtefresser haben viele Pflanzen aber auch Mechanismen zum Schutz ihrer Blätter und unreifen Früchte entwickelt - so sind viele Blätter mit Stacheln bewehrt, sind unverdaulich oder beinhalten giftige Substanzen. So haben sich die Ernährungsgewohnheiten bei Primaten sowie die Art und Weise der Futtersuche Hand in Hand mit vielen Merkmalen der tropischen Pflanzenwelt entwickelt.

Neben den Pflanzen haben auch die Tiere des Waldes in ihrer Rolle als Wettbewerber, Räuber und Beute ebenfalls großen Einfluss auf die Evolution der Primaten gehabt. Im Manu National Park, einer noch unberührten Region des Regenwaldes im oberen Amazonasbecken von Peru, machen frugivore (Früchte fressende) Affen nur etwa ein Drittel aller frugivoren Wirbeltiere aus. (Terborgh, 1983). Die anderen zwei Drittel, darunter viele Vögel, Fledermäuse, verschiedene Allesfresser und zahlreiche Nagetiere, haben es auf die gleichen Früchte abgesehen und sind oft in den gleichen Bäumen anzutreffen wie die Primaten. Es gab unter den verschiedenen Tierarten des Waldes sicherlich einen Wettbewerb um den Zugang zu den verschiedenen Nahrungsquellen. Viele der Tiere in den Wäldern sind zwar nicht an der Nahrung der Affen interessiert - jedoch an den Affen als Nahrung. Große Katzen (darunter Löwen, Tiger, Leoparden, Jaguare und Pumas) machen Jagd auf Primaten, ebenso wie viele Greifvögel und große Schlangen. Die Anwesenheit von Räubern hat wahrscheinlich einen großen Einfluss auf die Entwicklung vieler Aspekte der Ökologie und des Verhaltens von Primaten gehabt, einschließlich der Aktivitätsmuster, der sozialen Organisation, der Wahl der Schlafplätze, der Lautäußerungen und der Färbung ihrer Felle (Cheney und Wrangham, 1986).

Anders als die großen Raubtiere verlassen sich nur einige wenige Primatenarten ausschließlich auf die Jagd auf andere Tiere. Aber bei vielen von ihnen, vor allem bei den kleineren Arten, sind verschiedene Wirbellose und kleine Wirbeltiere wie Eidechsen regulärer Bestandteil ihrer Ernährung. Primaten haben eine Reihe von einzigartigen Jagdstrategien entwickelt, um verschiedenen Arten von Beutetieren in verschiedenen Teilen des Waldes nachzustellen. Das Fassen von fliegenden Insekten erfordert z.B. scharfe Augen und schnelle Hände, die Lokalisierung von Insektenlarven, die unter der Rinde von Bäumen oder in Laubstreu leben, erfordert einen ausgeprägten Geruchsinn oder ein feines Gehör. Oft kann solche Beute nur erreicht werden, wenn man sich mit spezialisierten Zähnen durch die Rinde nagt, sie mit kräftigen Händen aufbricht oder ihre Spalten und Risse mit schlanken Fingern sondiert. Auch hier spiegelt die Evolution der Primaten und ihrer Anpassungen die Wechselwirkung mit der Evolution anderer Organismen des Waldes wieder.

Literatur

Cheney D. L., and Wrangam, R. W. 1986. In: B. B. Smuts, D. L. Cheney, R. M. Seyfarth, R. W. Wrangham, and T. T. Struhsaker (eds.) Primate Societies, pp. 11-24. Chicago: The Univeristy of Chicago Press.

Terborg J. 1983. Five New World Primates: A Study in Comparative Ecology. Princeton, N.J.: Princeton University Press.