0
0
Letzte Meldung:    Weltweite Bedrohung von Primaten betrifft uns alle   Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) fordern zusammen mit einem internationalen Expertenteam sofortige M....
Alles über Primaten
Lemuren und Loris
Koboldmakis
Neuweltaffen
Backentaschenaffen
Schlankaffen
Menschenaffen
Evolution

Fortbewegung der Primaten: Bodenlebende Vierbeiner

Dscheladas im Hochland von Äthiopien

Im Vergleich zu anderen Säugetierordnungen gibt es unter Primaten relativ wenige bodenlebende (terrestrische) Vierbeiner, und kein einziger Primat zeigt so auffällige morphologische Anpassungen an schnelles Laufen wie Geparde oder Antilopen. Die wichtigste Gruppe heute lebender vierbeiniger terrestrischer Primaten gehört zu den größeren Altweltaffen (Catarrini): Paviane, einige Makaken und Husarenaffen (Erythrocebus patas).

Diese Arten zeigen eine Reihe von markanten anatomischen Merkmalen, die sie von baumlebenden (arborealen) Primatenarten unterscheiden. Die meisten dieser Merkmale beziehen sich auf eine eher gestreckte und zum Körper adduzierte (herangezogene) Position der Gliedmaßen zur besseren Fortbewegung auf einer breiten ebenen Fläche. Da die Ausbalancierung des Körpers auf dem Boden kein Problem ist, haben diese Primaten einen schmalen Rumpf und relativ lange Gliedmaßen — Merkmale, die für weite Schritte und Geschwindigkeit ausgelegt sind. Ihre Schwänze sind oft kurz oder fehlen ganz.

Skelett eines bodenlebenden vierbeinigen Primaten
Skelett eines bodenlebenden vierbeinigen Primaten

Die Gliedmaßen und Gelenke terrestrischer vierbeiniger Primaten scheinen sich im Laufe der Evolution an schnelle und einfache Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen statt an kraftvolle und komplexe Drehbewegungen angepasst zu haben. Im Schultergelenk erlauben die Gelenkflächen des Schulterblattes und des Oberarmkopfes nur eine begrenzte anterior-posteriore Bewegung und das Tuberculum majus (einer von zwei Knochenvorsprüngen des Oberarmkopfes) ist hoch und vor dem Schultergelenk positioniert, um beim Laufen schnelle Vorwärtsbewegungen der Gliedmaßen zu erleichtern [1].

Das Ellenbogengelenk terrestrischer vierbeiniger Primaten spiegelt die eher gestreckte Haltung ihrer Gliedmaßen wieder. Das Olecranon ? erweitert sich dorsal anstatt proximal (wie bei baumlebenden Vierfüßlern) zur Längsachse der Ulna, eine Ausrichtung, die die Hebelwirkung der Ellenbogenstreckmuskeln maximiert, wenn der Ellenbogen fast gestreckt anstatt gebeugt ist. Eine ähnliches Merkmal ist die tiefe Knochensporngrube (Fossa olecrani) an der hinteren Fläche des Oberarms. Die Artikulation der Elle (Ulna) mit dem Oberarmknochen (Humerus) ist relativ schmal, während der Kopf der Speiche (Radius) relativ groß ist. Dies deutet darauf hin, dass dieser Knochen bei der Gewichtsübertragung vom Ellenbogen auf das Handgelenk eine wichtige Rolle spielt, mehr noch als bei anderen Fortbewegungsformen der Primaten. Der mediale Epicondylus ? am Oberarmknochen (Humerus) ist kurz und nach hinten gerichtet, eine Orientierung, die die Beugung von Handgelenk und Hand erleichtert wenn der Unterarm einwärts gedreht ist (die normale Position bei terrestrischen Arten).

Die Handwurzelknochen terrestrischer vierbeiniger Primaten sind relativ kurz und breit, ein Merkmal, das besser geeignet für Belastungen und weniger geeignet für Rotationsbewegungen ist. Die Hand ist durch robuste Mittelhandknochen und kurze Finger- und Zehenknochen charakterisiert. Die Hinterbeine terrestrischer vierbeiniger Primaten sind ähnlich lang wie ihre Vorderbeine. Die Elemente der Fußwurzel und der Mittelfuß sind robust, Finger- und Zehenknochen sind kurz.

Literatur

[1] Jolly C. F. 1966. The evolution of the baboon. In: H. Vagtborg (ed.), Baboon in Medical Research: v. 2 , vol 2. Austin: University of Texas.

[2] Morbeck, M. E., Preuschoft, H., and Gomberg, N. 1979. Environment, Behavior and Morphology: Dynamic Interactions in Primates: Dynamic Interactions in Primates. New York: Gustav Fischer.