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Fortbewegung der Primaten: Hangler und Schwinger


Gibbons (Hylobates) sind die bekanntesten Schwinghangler unter den Primaten
Gibbons (Hylobates) sind die bekanntesten Schwinghangler unter den Primaten.

Viele heute lebende Primaten hängen unter zuhilfenahme vieler Kombinationen aus Arm- und Beinstellungen unter den Ästen der Bäume. Wegen der akrobatischen Art eines solchen Verhaltens zeigen die Skelette hangelnder und schwingender Primaten viele Merkmale, die der besseren Erreichbarkeit von Ästen und Zweigen in allen Richtungen dienen. Ihre Körperproportionen sind von langen Gliedmaßen, besonders von sehr langen Vorderbeinen, gekennzeichnet.

Der Rumpf hangelnder Primaten ist relativ kurz, sie haben einen breiten Brustkorb (Thorax), ein breites verschmolzenes Brustbein (Sternum) und eine sehr kurze Lendenregion, um die Biegung des Rumpfes während des Hängens und Streckens zu reduzieren.

Das relativ tiefe schmale Schulterblatt von Kletterern ist an der dorsalen Seite anstatt der lateralen Seite des breiten Brustkorbs positioniert, was die Reichweite der Gliedmaßen in alle Richtungen erhöht. Das nach oben gerichtete Schultergelenk (was bei Bewegungen der Arme über dem Kopf sehr hilfreich ist) ist aus der relativ kleinen, runden Gelenkpfanne des Schulterblattes (Cavitas glenoidalis) und einem sehr großen, kugeligen Oberarmkopf mit niedrigen Tuberkeln ? zusammengesetzt - eine Kombination, die eine breite Palette von Bewegungsrichtungen ermöglicht.

Da die Ellenbogenstreckung zwar wichtig ist, aber nicht kraftvoll sein muß, ist das Olecranon am oberen Ende der Elle (Ulna) kurz. Der mediale Epicondylus ? des Oberarms (Humerus) ist groß, um die Wirkung der Beugemuskeln (Flexor) des Handgelenks in allen Stellungen von Pronation ? und Supination ? zu verbessern. Sowohl die Elle (Ulna) als auch die Speiche (Radius) sind in der Regel relativ lang und schlank, da sie kaum eine Rolle beim Tragen des Körpergewichts spielen.

Skelett eines hangelnden Primaten
Skelett eines hangelnden Primaten

Hangelnde und schwingende Primaten zeigen am Handgelenk zahlreiche Merkmale, die die Beweglichkeit dieses Gelenks zu erhöhen scheinen. Bei vielen Arten ist die Elle (Ulna) nicht mit der Handwurzel artikuliert und die distalen und proximalen Reihen der Handwurzelknochen bilden ein Kugelgelenk mit erhöhter Fähigkeit zur Rotation. Hangelnde und schwingende Primaten haben lange Finger mit gekrümmten Fingergliedern (Phalangen), die das Greifen einer Vielzahl von Ästen und Zweigen unterschiedlichen Durchmessers ermöglichen.

Genau wie die Vordergliedmaßen sind auch die Hintergliedmaßen hangelnder und schwingender Primaten durch sehr bewegliche Gelenke gekennzeichnet. Die Beweglichkeit des Hüftgelenks wird durch den kugelförmigen Kopf des Oberschenkelknochens erhöht; dieser sitzt auf einem hochgradig abgewinkelten Oberschenkelhals und erlaubt somit extreme Abspreizungen der Hintergliedmaßen. Das Kniegelenk ist durch breite, flache Femurkondylen ? und einer flachen Patellarinne (Furche auf der Kniescheibe, engl. patellar groove) gekennzeichnet. Im Bereich des Sprunggelenks gibt es sehr wenig knöcherne Erhöhungen, ein Zustand, der Bewegungen in alle Richtungen ermöglicht. Bei den meisten hangelnden Primatenarten hat das Fersenbein (Calcaneus) einen kurzen Hebelarm für die Wadenmuskulatur, die das Fußgelenk streckt; es gibt jedoch einen zusätzlichen Fortsatz, an dem die kurzen Beugemuskeln der Zehen entspringen, um das Greifen zu verbessern. Füße wie Hände hangelnder und schwingender Primaten haben lange, gebogene Finger- und Zehenglieder (Phalangen) zum Greifen von Ästen und Zweigen.

Literatur

Morbeck, M. E., Preuschoft, H., and Gomberg, N. 1979. Environment, Behavior and Morphology: Dynamic Interactions in Primates: Dynamic Interactions in Primates. New York: Gustav Fischer.