Wir Primaten!

Lebensweise der Primaten: Ernährung


Monkeys
Monkey fruit
Monkey Monday 19/01/2009
Monkey Island (Feeding time) - Lagos Zoo - The Algarve, Portugal
Monkey Beach, Phi Phi Don Island
Capuchin monkey eating a peanut II
Squirrel monkey eating a red fruit
Monkey - Bristol Zoo

Primaten sind in erster Linie Bewohner tropischer Wälder, kommen aber auch in Wäldern gemäßigter Zonen sowie in Savannen, Wüsten, Berg- und Küstenregionen vor. Vertreter der Ordnung halten sich am Boden oder auf Bäumen auf, sind bei Tag oder Nacht aktiv, fressen Früchte oder Blätter oder bestimmte Insekten. Etwa 55% aller Primatenarten - wie etwa Meerkatzen, Klammeraffen und Gibbons - sind tagaktiv, fressen Früchte und leben auf Bäumen.

Weitere 20% - z. B. Stummelaffen, Brüllaffen und Languren - verzehren Blätter anstelle von Früchten. Die übrigen 25 % verteilen sich zu etwa gleichen Teilen auf nachtaktive, baumlebende Insektenfresser (Koboldmakis, Loris und Buschbabys), nachtaktive, baumlebende Früchtefresser (z.B. Katzenmakis) und tagaktive Früchtefresser, die sich am Boden aufhalten, wie etwa Paviane, Makaken und Schimpansen.

Wie man sieht, sind die Ernährungsweisen bei heute lebenden Primaten höchst unterschiedlich und haben weitreichende Auswirkungen auf praktisch alle Aspekte ihres Lebens und ihrer Morphologie. Die Nahrung der Primaten kann generell in drei Hauptgruppen eingeteilt werden - Früchte, Blätter und Tiere (meist Insekten und Spinnentiere, aber auch Wirbeltiere). Primaten, die sich auf eine dieser Nahrungsarten spezialisiert haben, nennt man manchmal Frugivoren, Folivoren und Insectivoren bzw. Faunivoren. Diese Kategorien stimmen gut mit den strukturellen und ernährungsphysiologischen Eigenschaften der Nahrungsmittel überein und so haben Frugivoren, Folivoren und Faunivoren charakteristische Merkmale der Zähne und des Verdauungssystems. Diese groben Kategorien korrelieren ebenfalls mit Aspekten der täglichen Aktivitätsmuster sowie der Gruppen- und Reviergröße oder den Entfernungen, die bestimmte Primatenarten auf der Suche nach bestimmten Nahrungsmitteln täglich zurücklegen. Allerdings vernachlässigen diese Kategorisierungen Vielfalt und Anpassungsfähigkeit und deuten eher auf Vorlieben und Hauptkomponenten bei der Nahrungsaufnahme hin. In dieser Hinsicht nehmen die Koboldmakis (Tarsiiformes) eine Sonderstellung ein, denn als einzige Primaten leben sie ausschließlich von tierischer Kost.

Auch kehrt diese Kategorisierung viele verschiedene Schwierigkeiten unter den Teppich, die ein Affe meistern muß, um täglich eine ausgewogene Ernährung zu erhalten. Beispielsweise haben junge und alte Blätter oft sehr unterschiedliche chemische, strukturelle und ernährungsphysiologische Zusammensetzungen und sind in der Regel nur zu bestimmten Jahreszeiten verfügbar (Ganzhorn, 1998). Einige Früchte wachsen in großen Gruppen, andere sind über eine große Fläche eher gleichmäßig verteilt und wachsen nur in kleinen Stückzahlen. Fliegende Insekten sind anders zu jagen als Insekten, die im Boden oder unter Rinden leben. Darüber hinaus gibt es Nahrungsmittel wie Baumharze, Samen und Nektar, die für viele Primaten sehr wichtig sind und oft einzigartige Anpassungen erfordern, die man nicht so leicht in eine dieser drei Kategorien einordnen kann.

Die vielen verschlungenen Wege, wie Primaten an ihre Nahrung kommen, werden in der Regel als Ernährungsstrategien bezeichnet. Sie heißen "Strategien", weil viele Faktoren beteiligt sind und das Verhalten jeder einzelnen Primatenart wahrscheinlich das Ergebnis von Kompromissen in einer Reihe von möglichen Verhaltensweisen mit jeweils unterschiedlichen Kosten und Nutzen ist. So können innerhalb einer Nahrungskategorie, z.B. Frugivorie, unterschiedliche Primatenarten ganz unterschiedliche Ernährungsstrategien verfolgen. Eine Art spezialisiert sich auf Früchte, die gleichmäßig verteilt in kleinen Mengen zur Verfügung stehen, während die andere Art nach Früchten sucht, die zwar ungleichmäßig verteilt sind, dafür aber lokal in größeren Mengen wachsen. Wir würden erwarten, dass beide Arten in ihrem Gebiss und Verdauungssystem ähnlich sind, aber sehr unterschiedliche Verbreitungsmuster haben. Viele der Beschreibungen der einzelnen Affenarten (siehe Navigationsleiste oben) unterstreichen die feinen Unterschiede in den Ernährungsstrategien, obwohl sie die gleichen Lebensräume bewohnen. Diese subtilen Unterschiede in der Ernährungsweise zeigen die vielfältigen Anpassungen, die Primaten in den vergangenen 60 Millionen Jahren entwickelt haben.

Weil Blätter nicht gerade eine leicht verdauliche Kost sind, haben Primaten eine Reihe von Anpassungen entwickelt, die die Verwertung von Blättern, Früchten und Insekten erleichtern: Molaren mit Schneideleisten helfen die Planzenkost zu zermahlen. Der vergrößerte Verdauungstrakt bietet Bakterien Platz, die Zellulose aufschließen und im Magen (z.B. bei Stummelaffen), im Blinddarm (bei Halbmakis und Wieselmakis) oder im Grimmdarm (bei Brüllaffen und Gorillas) leben. Frugivore Arten dagegen haben große Schneidezähne, denn Früchte müssen vor dem Kauen stärker vorbehandelt werden als Blätter, aber einfache Verdauungstrakte, da Früchte nur weinig Zellulose enthalten. Insektenfresser weisen eine Komination dieser Merkmale auf: Sie haben einfache Därme und Molaren mit Schneideleisten, um die harten Panzer von Käfern aufzubrechen.

Manche Primaten bohren mit ihren spezialisierten Schneidezähnen die Rinde bestimmter Baumarten auf und nehmen die ausfließenden Pflanzensäfte und Harze auf. Entsprechend haben Westliche Kielnagelgalagos, Gabelstreifige Katzenmakis und südamerikanische Marmosetten vergrößerte Blinddärme, weil vermutlich die im Darm lebenden Bakterien bei der Verauung behilflich sind.

Bei Schimpansen und Pavianen kommt es vor, dass sie Wirbeltiere töten und fressen. Meist jagen die Männchen und erbeuten kleine Huftiere sowie andere Primaten. Schimpansen entwickeln sogar komplexe Jagdtechniken, die auf Zusammenarbeit beruhen. Im tansanischen Gombe wurden Rote Stummelaffen so intensiv von Schimpansen bejagt, dass ihre Gruppen nur noch halb so groß waren. Dies ist insofern ungewöhlich, als sich zwar alle Affen vor Fressfeinden in Acht nehmen müssen, normalerweise jeoch nicht vor anderen Primaten.

Die Vorfahren der Primaten fraßen Insekten, waren nachts wach und lebten in den Kronen der Bäume. Das Leben am Boden, die Ernährung von Früchten und Blättern und die Verlegung der Aktivitätsphase auf den Tag entwickelten sich später. Die Nachtaffen (Gattung Aotus) der Neuen Welt kehrten sekundär zum nächtlichen Leben zurück und sind heute zusammen mit Koboldmakis die einzigen Echten Affen, die nachts auf Nahrungssuche gehen.

Literatur

Chivers D. J., and Hladik C. M. 1980. Morphology of the gastrointestinal tract in primates: Comparisons with other mammals in relation to diet. J. Morphol. 166:337-386. DOI: 10.1002/jmor.1051660306

Kay R. F. 1984. On the use of anatomical features to infer foraging behavior in extinct primates. In: P. S. Rodman and J. G. H. Cant (eds.) Adaptations for Foraging in Nonhuman Primates, pp. 21-53. New York: Columbia University Press.

Oates J. F. 1986. Food distribution and foraging behavior. In: B. B. Smuts, D. L. Cheney, R. M. Seyfarth, R. W. Wrangham, and T. T. Struhsaker (eds.) Primate Societies, pp. 11-24. Chicago: The Univeristy of Chicago Press.