0
0
Letzte Meldung:    Weltweite Bedrohung von Primaten betrifft uns alle   Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) fordern zusammen mit einem internationalen Expertenteam sofortige M....
Alles über Primaten
Lemuren und Loris
Koboldmakis
Neuweltaffen
Backentaschenaffen
Schlankaffen
Menschenaffen
Evolution

Tag- und Nachtaktivität bei Primaten

Nachtaktiver Schlanklori

Die meisten Primaten beschränken ihre Aktivitäten auf einen bestimmten Abschnitt eines vierundzwanzig Stunden Tages. Viele Säugetiere sind vor allem in der Nacht aktiv und schlafen tagsüber, sie sind nachtaktiv (nocturnal).

Im Gegensatz dazu sind die meisten Vögel während der hellen Stunden des Tages aktiv und schlafen, wenn es dunkel wird, sie sind tagaktiv (diurnal). Einige Säugetiere sind während der Stunden um die Morgen- oder Abenddämmerung herum am aktivsten, wenn das Licht auf einem niedrigen Niveau ist, sie sind dämmerungsaktiv (crepuscular). Nachtaktivität scheint ein primitiveres Verhaltensmuster bei Primaten zu sein - fast drei Viertel der Feuchtnasenaffen (Lemuren, Loris) sind nachtaktiv - und nur ein einziger Trockennasenaffe (Aotus) ist nachtaktiv. Nur wenige Primaten sind ausgesprochen dämmerungsaktiv in dem Sinne, dass sie nur während der Übergangszeit vom Tag zur Nacht oder umgekehrt aktiv sind. Viele tag- und nachtaktive Arten sind zwar während der Dämmerung besonders aktiv, da sie entweder um die Mittagstunde oder um Mitternacht herum eine Ruhezeit einlegen, aber nur wenige Arten, wenn überhaupt, sind rein dämmerungsaktiv. Es gibt aber auch Primaten mit sehr viel variableren Aktivitätsmustern. Anstatt strikt tag- oder nachtaktiv zu sein, scheinen sie sich während eines vierundzwanzig Stunden Tages sporadisch für den Tag oder die Nacht als aktive Phase zu entscheiden - ein Muster, das man cathemeral nennt. Mehrere Lemurenarten zeigen dieses cathemerale Aktivitätsmuster, das erstmals 1979 von Ian Tattersall beschrieben wurde.

Fotostrecke

loris tardigradus
loris tardigradus
galago moholi
Moholy-Galago
Moholy-Galago

Jeder dieser Lebensstile hat seine Vor-und Nachteile. Tagaktive Primaten haben vermutlich einen besseren Blick für ihre Umgebung, auf die verfügbaren Nahrungsmittel oder potentielle Geschlechtspartner, Artgenossen, Konkurrenten oder Feinde. Gleichzeitig tragen sie aber ein größeres Risiko, selbst von Raubtieren entdeckt zu werden. Nachtaktive Arten sind besser vor Feinden geschützt und sie haben weniger Nahrungskonkurrenz sowohl direkt durch andere Primaten oder baumlebende Säugetiere als auch aus der Luft durch Vögel zu fürchten. Nachtaktive Arten werden nicht durch Sonneneinstrahlung belastet und weniger von tagaktiven Parasiten belästigt. Aufgrund der eingeschränkten Lichtverhältnisse haben sie aber eher Schwierigkeiten mit der Erkennung der Nahrung oder der visuellen Kommunikation mit Artgenossen. Dafür kann die Kommunikation mittels Rufen in der Dunkelheit besser sein und die feuchte Nachtluft fördert die Verbreitung von Gerüchen und verbessert somit die Kommunikation über den Geruchssinn (Wright, 1985). Es ist daher nicht verwunderlich, dass nachtaktive Primaten in kleinen Gruppen leben oder alleine auf Nahrungssuche gehen, denn sie kommunizieren in erster Linie durch Gerüche und Geräusche.

Ein cathemerales Aktivitätsmuster ermöglicht einer Spezies, sowohl die Vorteile der Tagaktivität als auch der Nachtaktivität im Zusammenhang mit Temperaturänderungen oder Nahrungsverfügbarkeit zu nutzen. Der Mongozmaki (Eulemur mongoz) ist zum Beispiel während jener Jahreszeit tagaktiv, in der er sich von Früchten und jungen Blättern ernährt. Wird diese Nahrung jedoch in der trockenen Jahreszeit zunehmend knapper, verlegt er seine Aktivitätsphase in die Nacht und steigt auf Blütennektar als Nahrungsquelle um.

Literatur

Charles-Dominique P. 1975. Nocturnality and modes of life by an analysis of the higher vertebrate fauna in tropical forest ecosystems. In: W. P. Luckett, and F. S. Szalay (eds.), Phylogeny of the Primates: A Multidisciplinary Approach, pp. 69-88. New York: Plenum Press.