Lemuren- und Loriverwandte

Weißfußwieselmaki (Lepilemur leucopus)


Die Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) sind kleine Lemuren mit großen Ohren.

Lebensraum

Sie bewohnen Galeriewälder und Didierea/Euphorbia-Gebüsche im Süden Madagaskars bis in Höhen von 800 m. Ihr Lebensraum erstreckt sich von Tolanaro (Fort Dauphin) bis westlich des Onilahy Flusses auf Madagaskar [1][2][3].

Ihr bevorzugter Lebensraum sind stachelblättrige Sukkulenten ? aus der Familie Didieraeceae. In diesen Bäumen besetzen sie hauptsächlich die unteren Schichten in Höhen von 3 - 10 m. Weißfußwieselmakis sind nachtaktiv und bewegen sich kletternd und springend in den Ästen fort. Die Sprungdistanzen liegen zwischen 1,5 und 2,0 m. Während des Tages rollen sie sich in Baumlöchern oder Blätterbündeln zusammen und schlafen [4][5].

Aussehen

Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) sind mittelgroße, langschwänzige Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini) mit langen Gliedmaßen, die hervorragend zum Klettern und Springen geeignet sind. Der Rücken ist mittelgrau bis braun, die Oberarme, Schultern und Oberschenkel sind dunkelbraun und die Unterseite des Körpers ist blassgrau bis cremeweiß. Der Schwanz ist braun bis grau. Die Hände und Füße sind mit großen Kissen besetzt, die es den Primaten ermöglichen, sich besser in den Ästen festzuhalten. Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) erreichen ein Gewicht von durchschnittlich 544 g. Die Kopf- Rumpflänge beträgt zwischen 24 bis 26 cm und der Schwanz ist 21 bis 26 cm lang. Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) haben relativ große Ohren, die etwa 0,32 cm lang werden können. Wegen ihrer folivoren Ernährung haben Weißfußwieselmakis einen großen Blinddarm [1][6].

Verhalten

Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) sind Einzelgänger; die Reviere der Männchen umfassen oder überlappen oft die Reviere von einem oder zwei Weibchen. Das Revier eines großen Männchen kann ohne weiteres bis zu fünf Reviere von Weibchen beinhalten, während die Reviere kleinerer Männchen nur ein oder zwei weibliche Reviere umfassen. Begegnungen verlaufen in der Regel friedlich, obwohl Männchen ihre Territorien heftig gegen Artgenossen verteidigen. Beide Geschlechter grenzen ihre Territorien durch Rufe ab. Gebiete der Weibchen gehen oft ineinander über - Mütter und Töchter gehen oft gemeinsam auf Nahrungssuche, schlafen gemeinsam und praktizieren gegenseitige Fellpflege. Die Gebiete von Männchen umfassen im Durchschnitt 3,0 km² und die der Weibchen 1,8 km². Die Reviere junger Weibchen können 1,8 bis 2,0 km² umfassen. Es gibt Spekulationen, wonach Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) in verstreuten Haremsorganisationen leben sollen, dies ist aber noch nicht bestätigt worden [12][13][7][14][15][18][21][6].

Fortpflanzung

Man nimmt an, dass das Paarungsverhalten von Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) polygyn ? geprägt ist, wo mehrere Männchen im Wettstreit um den Zugang zu den Weibchen stehen [7][8][3]. Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) paaren sich einmal pro Jahr zwischen Mai und Juli. Nach einer Tragzeit von etwa 4,5 Monaten bringen die Weibchen von September bis November jeweils ein einzelnes Junges zur Welt. Das Neugeborene wird mit offenen Augen geboren und ist sehr früh in der Lage, sich in den Zweigen festzuklammern und nach einem Monat können die Kleinen bereits klettern und springen. Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 18 Monaten. Die genaue Zeit bis zur Entwöhnung und Unabhängigkeit ist nicht bekannt, jedoch weiß man von anderen Arten innerhalb der Gattung Lepilemur, dass ihre Jungen im Alter von etwa 4 Monaten entwöhnt sind und bis zu ihrem ersten Geburtstag bei der Mutter bleiben. Es ist wahrscheinlich, dass dies auch für Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) zutrifft [4][3].

Der Nachwuchs der Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) wird einzig von den Müttern großgezogen. Sie transportieren ihre Jungen mit dem Mund, und wenn sie zur nächtlichen Nahrungssuche das Nest verlassen "parken" sie den Nachwuchs auf einem Ast in der Nähe. Dieses Verhalten ermöglicht es ihnen, ungehindert zu fressen und trotzdem die gefährdeten Kleinen immer im Auge zu behalten.

Wenn die Jungen alt genug sind, folgen sie der Mutter und lernen durch Beobachten, wo die besten Futterplätze zu finden sind, aber auch so grundlegende Dinge, wie soziale Verhaltensweisen. Ein besonderes Band scheint sich zwischen den Müttern und ihrem Nachwuchs zu entwickeln, vor allem zwischen Müttern und Töchtern, die sich während ihres gesamten Lebens durch Berührungen mit der Nase begrüßen und sich gegenseitig das Fell pflegen. Töchter verbleiben oft im Gebiet der Mutter, auch nach der Geschlechtsreife, während Männchen eher abwandern. Väter spielen bei der Aufzucht der Jungen keine Rolle [7][4][9][10].

Systematik


Lebenserwartung

Es ist nicht bekannt, wie hoch die Lebenserwartug von Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) in freier Wildbahn ist. Sie sind sehr schlecht in Gefangenschaft zu halten, wo sie bereits nach zwei Jahren sterben, und so gibt es auch keine Berichte über Paarungen oder Geburten. Zu erklären ist dies damit, dass Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) extrem empfindlich auf Veränderungen des Nahrungsangebots und des Klimas reagieren. Von anderen Mitgliedern der Gattung Lepilemur ist jdoch bekannt, dass sie in Gefangenschaft bis zu 15 Jahre alt geworden sind. Es ist wahrscheinlich, dass Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) eine ähnliche Lebenserwartung haben [3][11].

Kommunikation

Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) kommunizieren hauptsächlich über Laute und Berührungen. Es gibt eine Vielzahl von Rufen, die z.B. der Revierverteidigung oder Kontaktaufnahme dienen. Männchen geben laute, krähenähnliche Rufe von sich, um ihr Revier abzugrenzen und die eigene Präsenz kundzutun. Wenn sie sich bis auf 3 bis 10 m ihren Reviergrenzen nähern geben Männchen einzelne Laute von sich, die sich etwa wie "hien" anhören. Diesen folgt dann eine Serie von höheren Lauten, die sich wie "hii" anhören, die aber auch einzeln von sich gegeben werden können.

Beide Geschlechter geben Warnrufe von sich, um eine zu große Annäherung von Artgenossen zu verhindern. Diese Rufe sind von Tieren sowohl in Gefangenschaft als auch in freier Wildbahn bekannt. Sie bestehen aus einer Reihe von resonanten Zischlauten, gefolgt von zweiphasigen Lautäußerungen. Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) wurden beobachtet, wie sie sich - vermutlich während des Kampfes um ein Territorium - gegenseitig schlugen und bissen und dabei sehr hohe Töne von sich gaben. Dieses Verhalten wurde auch bei in Gefangenschaft gehaltener Tiere beobachtet, sobald sich ihnen Menschen annäherten.

Weibchen halten mit ihren Jungen durch kussähnliche Schmatzlaute Kontakt. Sie sind im Allgemeinen zu hören, wenn die Mutter ihr Junges auf einem Ast parkt, während sie selbst auf Nahrungssuche geht. Die Jungen rufen nach ihrer Mutter mit einem langen, klagenden Laut, wenn sie sich zu lange allein gelassen fühlen.

Soziale Fellpflege und das Berühren mit der Nase ist eine Art der Begrüßung, die meist zwischen Müttern und ihren erwachsenen Nachkommen beobachtet wird. Auch Paare begrüßen sich auf diese Art. Sie berühren sich mit den Nasen, gefolgt von Fellpflege, um sich dann gemeinsam für eine Weile auszuruhen.

Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) verwenden keine Duftmarken um ihre Reviergrenzen zu markieren. Sie müssen sich auf ihre Lautäußerungen sowie auf ihre Augen verlassen, um während der Nacht auf Bedrohungen reagieren zu können und um Nahrung zu finden [13][9][10].

Nahrung

Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) sind in erster Linie folivore (blätterfressende) Primaten, die sich von den Blättern der Arten Tamarindus indica und Euphorbia tiruculli sowie von Blättern einiger Kletterpflanzen ernähren. Neben den Blättern fressen sie auch die Blüten von T. indica sowie einige Früchte, wenn die Ressourcen knapp sind. Auch sollen sie Caecotrophie ? praktizieren, obwohl eine Studie keinerlei Hinweise darauf fand [14][8][16].

Gefahren und Ökologie

Es gibt keine Beobachtungen von Fressfeinden der Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus). Allerdings wurde beobachtet, wie ökologisch ähnliche, sympatrische ? Arten (Gabelstreifige Katzenmakis) von Raubvögeln angegriffen, aber nicht getötet wurden. Als nachtaktive Primaten können Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) einigen Raubtieren entgehen, aber viele Eulen und Schlangen sind ebenfalls nachtaktiv und könnten eine mögliche Bedrohung darstellen. Es gibt Berichte, wonach andere Feuchtnasenaffen der Gattung Lepilemur von Menschen wegen ihres Fleisches gejagt werden, aber nirgends werden Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) ausdrücklich erwähnt [17][19].

Es gibt nur begrenzte Informationen über die Ökologie von Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus). Sie haben keine bekannten Fressfeinde, obwohl wahrscheinlich einige Individuen Raubtieren zum Opfer fallen, und so einen gewissen Einfluß auf lokale Nahrungsketten haben. Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) sind Wirt eines Ektoparasiten ?, der Zecke Haemaphysalis lemuris. Als nächtliche Blätterfresser haben Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) einen Einfluss auf Bäume, von denen sie sich ernähren [17][20].

Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) können außerhalb ihrer natürlichen Umgebung nicht überleben, daher geht man davon aus, dass es keine erfolgreichen Exporte dieser Primaten in die Zoos der Welt gibt, oder dass sie als Haustiere gehalten werden. Wegen ihrer Nachtaktivität ist es unwahrscheinlich, dass man sie - außer Forscher bei ihrer Suche nach ihnen - zu Gesicht bekommt [19].

Die rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft diese Art als "Near Threatened (gering gefährdet)" ein. Die größte Gefahr für die Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus) geht von der Jagd und dem Verlust von Lebensraum aus. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) listet alle Primaten der Familie Lepilemuridae in Anhang I ?. Es gibt nur wenig Informationen über Gefahren für die Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus). Zu den Gefahren für die Lemurenpopulationen gehören im Allgemeinen die Jagd sowohl zum Zwecke der Nahrungsbeschaffung als auch aus sportlichen Gründen, obwohl für viele Ureinwohner die Jagd auf einige Lemurenarten traditionell ein Tabu und darüber hinaus illegal ist. Die Entwaldung durch die Brennkohleherstellung (die Bäume werden gefällt und verkohlt) und der Holzeinschlag ausländischer Ölkonzerne zerstört den Lebensraum der Weißfußwieselmakis (Lepilemur leucopus). Die Ausfuhr der meisten Lemuren ist illegal, doch die Durchsetzung der Gesetze ist schlaff und die Auswirkungen auf die Lemurenpopulationen sind noch nicht vollständig geklärt.

Die genaue Größe der Gesamtpopulation ist in Zahlen nicht bekannt. Eine Populationsdichte von 810 Individuen pro Quadratkilometer wurde jedoch aus dem Berenty Private Reserve's Wald gemeldet. Populationsdichten von 200 bis 350 Individuen pro Quadratkilometer wurden in den Didiereaceae - Wäldern ermittelt [12][7][19].

Literatur

[1] Harcourt und Thornback, 1990; [2] Petter und Petter-Rousseaux, 1979; [3] Petter, Albignac und Rumpler, 1977; [4] Klopfer und Boskoff, 1979; [5] Rhett A. Butler, 2005; [6] Tattersall, 1982; [7] Hladik und Charles-Dominique, 1974; [8] Nash, 1998; [9] Petter und Charles-Dominique, 1979; [10] Tattersall und Sussman, 1983; [11] Wisconsin Primate Research Center Library, 2004; [12] Charles-Dominique und Hladik, 1971; [13] Charles-Dominique und Hladik, 1971; [14] Hladik, 1979; [15] Müller und Thalmann, 2000; [16] Russel, 1980; [17] Charles-Dominique und Petter, 1980; [18] Russel, 1977; [19] Richard und Sussman, 1975; [20] Junge und Lewis, 2002; [21] Sussman, 1979