Lemuren- und Loriverwandte

Larvensifaka (Propithecus verreauxi)


Kaleta Reserve
Propithecus_verreauxi_i
Propithecus_verreauxi_iii
I want my banana!
Verreaux's Sifakas
Verreaux's Sifakas
Verreaux's Sifakas
Verreaux's Sifakas
Verreaux's Sifakas
Verreaux's Sifaka in a precarious pose
See no evil, hear no evil, speak no evil ...
Verreaux's Sifaka , Isalo National Park

Der Larvensifaka (Propithecus verreauxi) ist ein Feuchtnasenprimat aus der Familie Indriidae, der in den Dornen- und Trockenwäldern im Norden und Südwesten Madagaskars lebt.

Aussehen

Das Fell der Larvensifakas (Propithecus verreauxi) ist weiß mit einem Hauch von Gelb, das stark mit ihrem haarlosen, schwarzen Gesicht kontrastiert. Die Hände und Füße sind ebenfalls schwarz. Schwanz und Körper sind in etwa gleichlang und bei den Geschlechtern gibt es keinen Sexualdimorphismus - beide erreichen ein Gewicht zwischen 3 und 7 Kilogramm [7].

Ernährungsweise

Larvensifakas (Propithecus verreauxi) sind Pflanzenfresser und ernähren sich vorwiegend von Blättern, Rinde und Blüten. Wenn reichlich vorhanden, können auch Früche ein wichtiger Bestandteil ihrer Ernährung sein. Was gefressen wird, hängt direkt mit der Jahreszeit und daher mit den Niederschlagsmengen zusammen, wobei die Nahrungsmittel mit höherem Nährwert am häufigsten während der Regenzeit gedeihen [7][10].

Fortpflanzung

Larvensifakas (Propithecus verreauxi) leben in sozialen Hierarchien, die besonders während der Paarungszeit zum Vorschein kommen, da sich Weibchen nur mit dominanten Männchen paaren. Fordert ein untergeordnetes Männchen ein dominantes heraus, kommt es häufig zu heftigen Kämpfen [4][7].

Das Setzen von Duftmarken ist bei Larvensifakas (Propithecus verreauxi) eine Form der Kommunikation. Weibchen markieren, um die Aufmerksamkeit der Männchen zu erregen. Untergeordnete Männchen markieren, um die Aufmerksamkeit der Weibchen zu erregen und dominante Männchen markieren, um den Anspruch auf ein Gebiet geltend zu machen, was sehr häufig zu Konflikten unter dominanten Männchen führt [4][7].

Larvensifaka (Propithecus verrauxi)
Propithecus verrauxi, Ankanin'ny Nofy

Die Paarungszeit der Larvensifakas (Propithecus verreauxi) dauert von Ende Januar bis März. Die Tragzeit dauert 130 bis 141 Tage. Weibchen bekommen in der Regel pro Jahr nur ein einziges Junges, wobei die Geburten zwischen Juni und September stattfinden. Die Neugeborenen wiegen bei der Geburt etwa 40 Gramm. In den ersten 2 bis 3 Monaten werden sie von ihren Müttern nahe an der Brust herumgetragen. Im Alter von etwa 3 Monaten klettern die Jungen dann auf den Rücken ihrer Mütter und bleiben dort, bis sie etwa 5 bis 6 Monate alt sind. In diesem Alter werden sie auch entwöhnt. Die Geschlechtsreife erreichen junge Larvensifakas etwa im Alter von 2 ½ Jahren [7].

Gruppenleben

Larvensifakas (Propithecus verreauxi) leben in hierarchisch-sozialen Gruppen. Die Ranghöhe einer Mutter beeinflußt den sozialen Status ihrer Nachkommen. Junge Sifakas genießen die elterliche Fürsorge bis sie voll ausgewachsen sind, als etwa bis zu einem Alter von 21 Monaten. Junge Weibchen bleiben in ihrer Geburtsgruppe, während die Männchen entweder ebenfalls bleiben oder die Gruppe verlassen, um eine eigene zu gründen.

Die Gruppen der Larvensifakas (Propithecus verreauxi) bestehen aus 2 bis 13 Individuen mit 5 bis 7 erwachsenen Weibchen, 2 bis 3 erwachsenen Männchen und dem Nachwuchs. Nur das dominante Männchen der Gruppe paart sich mit den Weibchen. Körperliche Konfrontationen sind außerhalb der Paarungszeit selten. Allerdings gibt es nicht-physische Aggressionen zwischen Gruppen, die ihr jeweiliges Territorium verteidigen. Dabei springen sie oft auf die gegnerische Gruppe zu oder sie Bellen, Gackern und Knurren ([1][2][4][5][7][10][11][12].

Verhalten

Larvensifakas (Propithecus verreauxi) halten sich in aufrechter Position an Baumstämmen und Ästen fest und werden oft als akrobatische Springer beschrieben. Dabei stoßen sie sich mit den Hinterbeinen ab und können mühelos bis zu 10 Meter von Ast zu Ast springen. Außerdem können sie sich auf dem Boden in einer hochspezialisierten Form auf zwei Beinen fortbewegen. Bei dieser einzigartigen Fortbewegung hüpfen sie mit leicht seitlich gedrehtem Oberkörper auf ihren starken, langen Hinterbeinen, was ihnen im Englischen den Namen "Dancing Sifakas" einbrachte. Es gibt eine langsamere Gangart und ein rascheres Tempo, bei dem die Beine kurzzeitig keinen Kontakt zum Boden haben. Während dieser Art der Fortbewegung heben sie ihre Arme zum Ausgleich über den Kopf und bewegen sie im Rhytmus ihrer Srünge. Während der Nahrungsaufname gebrauchen sie ihre Hände kaum, stattdessen führen sie den ganzen Körper in einer schnappenden Bewegung direkt zur Nahrung ([1][2][4][5][7][10][11][12].

Nördlicher Wieselmaki (Lepilemur septentrionalis)
Larvensifaka (Propithecus verreauxi), Amboasary, Toliara, Madagaskar

Larvensifakas (Propithecus verreauxi) sind tagaktiv, besonders morgens und am späten Nachmittag. Während dieser Zeit sonnen sie sich auf Ästen in etwa 13 Meter Höhe oder sie sind auf Nahrungssuche. Ab der Dämmerung bis zu Morgengrauen schlafen sie im Allgemeinen in den Baumkronen ([1][2][4][5][7][10][11][12].

Die Reviere der Larvensifakas (Propithecus verreauxi) umfassen zwischen 2,2 und 2,6 Hektar. Die täglichen Wegstrecken, die sie innerhalb dieser Grenzen zurücklegen, variieren von Jahreszeit zu Jahreszeit. Während der Regenzeit sind es etwa 1.100 Meter pro Tag, während der Trockenzeit nur 750 Meter pro Tag. Dabei bewegt sich die Gruppe als eine Einheit und niemand wird zurückgelassen. Die Populationsdichte der Larvensifakas (Propithecus verreauxi) liegt im Süden und Südwesten Madagaskars in einem Bereich von 50 bis 500 Individuen pro Quadratkilometer [7].

Über die Lebenserwartung der Larvensifakas (Propithecus verreauxi) in freier Wildbahn ist bekannt. Studien haben gezeigt, dass sie überraschend wenig von Parasiten befallen sind, was im Vergleich zu anderen eng verwandten Primaten zu einem längeren Leben führen könnte. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Gefangenschaft liegt bei 18 Jahren, der älteste bekannte Larvensifaka wurde 23 ½ Jahre alt [6][7].

Systematik


Wenn fremde Artgenossen in der Nähe sind, kommunizieren Larvensifakas (Propithecus verreauxi) über weite Entfernungen mittels eines klaren, tiefen Bellens, das ähnlich klingt wie ihr Name "Si-faka". Dieses Bellen gibt nur das ranghöchste Tier von sich, und zwar immer wenn der Zusammenhalt der Gruppe von einem Außenstehenden bedroht wird und es gilt, einen Eindringling abzuwehren [7][8][9][2][12].

Larvensifakas (Propithecus verreauxi) verwenden häufig Warnrufe, um andere Gruppenmitglieder von der Anwesenheit eines Räubers zu unterrichten. Für Räuber aus der Luft - z.B. Habichte - gibt es unterschiedliche Alarmrufe als für Landräuber, wie etwa streunende Hunde oder Fossas (Cyptoprocta ferox). Alarmrufe sind nicht auf dominante Tiere beschränkt, sondern werden von allen Rängen der sozialen Hierarchie durchgeführt. Mit der Gruppengröße steigt die Anzahl der Individuen, die in der Lage sind, mögliche Fleischfresser abzuschrecken, was ein wichtiger Aspekt im Zusammenhalt der Gruppe ist [2][9].

Zusätzlich kommunizieren Larvensifakas (Propithecus verreauxi) über Gerüche und Duftmarken. Diese Kommunikationsform dient mehreren Zwecken, wie etwa der Kennzeichnung der Territorien, indem man seine Gegenwart bekannt gibt. Aber auch um potentielle Sexualpartner anzuziehen oder eine Nahrungsquelle zu beanspruchen. Duftmarkierungen sind bei Larvensifakas (Propithecus verreauxi) eine vielseitige und wichtige Form der Kommunikation [7][8][9][12].

Forschung

Larvensifakas (Propithecus verreauxi) sind die am besten bekannten madagassischen Primaten und Gegenstand vieler Forschungsarbeiten. Die Themen sind dabei sehr unterschiedlich, z.B. aufrechter Gang bei Säugetieren, Evolution sozialer Hierarchien, Ursachen und Folgen weiblicher Dominanz bei Säugetieren oder Ursachen und Folgen verringerter parasitärer Belastungen, um nur einige zu nennen. Larvensifakas (Propithecus verreauxi) sind ein wichtiger Bestandteil des einzigartigen Ökosystems auf Madagaskar, das Touristen aus der ganzen Welt anlockt ([2][3][7][9][11][12].

Literatur

[1] Erkert und Kappeler, 2004; [2] Fichtel und Kappeler, 2002; [3] Lewis und Kappeler, 2005; [4] Lewis, 2005; [5] Lewis, 2006; [6] Muehlenbein et al., 2003; [7] Nowak, 1999; [8] Palagi et al., 2008; [9] Trillmich et al., 2004; [10] Walker, 1968; [11] Wunderlich und Schaum, 2007; [12] Young et al., 1990; [13] Rowe, 1996.