Lemuren- und Loriverwandte

Tattersalls Sifaka (Propithecus tattersalli)


20120111_Madagascar_0128
Golden-crowned sifaka (Propithecus tattersalli)
Goudkroonsifaka

Der Goldkronensifaka oder Tattersalls Sifaka (Propithecus tattersalli) bewohnt den nordöstlichen Regenwald Madagaskars [2].

Aussehen

Goldkronensifakas (Propithecus tattersalli) haben ein kurzes, meist weißes Fell, eine gold-orangene Krone und große, mit Haarbüscheln besetzte Ohren. Das Gesicht ist schwarz mit kleinen weißlichen Haaren. Die unteren vier Schneidezähne bilden eine Struktur, die allgemein als Zahnkamm oder Kammgebiss bezeichnet wird und der Körperpflege dient. Sie werden etwa so groß wie ein kleiner Hund. Die durchschnittliche Körperlänge (einschließlich Kopf) beträgt 48 Zentimeter, hinzu kommt der Schwanz mit rund 42 Zentimeter. Männchen und Weibchen sind mit einem durchschnittlichen Gewicht von rund 3 Kilogramm etwa gleich schwer [2][7].

Nahrung

Goldkronensifakas (Propithecus tattersalli) sind strenge Vegetarier. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Samen, unreifen Früchte, neuen und alten Blättern und gelegentlich Rinde [7].

Fortpflanzung

Die Paarungszeit der Goldkronensifakas (Propithecus tattersalli) dauert meist von Ende Januar bis März. Die Weibchen einer Gruppe sind nur einmal im Jahr empfängnisbereit, und das auch nur für eine relativ kurze Zeit. Nach einer Tragzeit von 130 bis 165 Tagen kommt ein einzelnes Junges zur Welt. Die Kleinen wiegen bei der Geburt etwa 40 Gramm. Sie werden nach 5 bis 6 Monaten entwöhnt und erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 2 bis 3 Jahren [3].

Bald nach der Geburt klammert sich das Neugeborene an den Bauch der Mutter und nimmt nur beim Stillen eine andere Position ein. Nach etwa 3 Wochen klettert es gelegentlich auf den Rücken der Mutter und unternimmt bereit die erste selbständigen Ausflüge. Bei der Aufzucht des Kleinen ist die Mutter für Nahrung, Transport, Pflege und Sozialisation verantwortlich. Ob auch der Vater eine Rolle spielt, ist nicht bekannt [3].

Gruppenleben

Goldkronensifakas (Propithecus tattersalli) sind soziale Tiere und leben in Gruppen von 2 bis 13 Individuen, die in der Regel aus zwei Erwachsenen beiderlei Geschlechts und mehreren Nachkommen bestehen. In allen Gruppen sind die Weibchen dominante Teil und haben bevorzugten Zugang zu Nahrungsquellen. Auch sind sie es, die ihren Sexualpartner wählen und nicht die Männchen [3].

Goldkronensifaka (Propithecus tattersalli) leben in friedlichen Gruppen. Die einzelnen Mitglieder bleiben stets in Sichtweite, pflegen sich gegenseitig, spielen und kümmern sich um die Kleinkinder. Sie sind tagaktiv Primaten, aber in der Regezeit kann es schon mal vorkommen, dass sie bereits vor Tagesanbruch und auch nach Einbruch der Dunkelheit aktiv sind.

Territorialität

Territorialität spielt im Leben der Goldkronensifakas (Propithecus tattersalli) eine große Rolle. Das Revier einer Gruppe umfasst etwa 22 bis 30 Hektar. Männchen benutzen Duftdrüsen auf der Vorderseite des Halses und ihren Urin, um ihr Revier zu markieren. Weibchen markieren ihr Gebiet mittels Analdrüsen. Wenn zwei fremde Gruppen aufeinandertreffen, fangen die Männchen an zu Knurren und springen in einem Scheinangriff in die Richtung des Gegners, ohne dass es zu körperlichen Auseinandersetzungen oder Kämpfen kommt [3][7].

Systematik


Kommunikation

Wie bei allen Primaten, ist die Kommunikation bei Goldkronensifakas (Propithecus tattersalli) vielfältig und komplex. Sie sind sehr lautstark und emittieren eine Reihe von Tönen, z.B. ein resonantes Bellen, das über große Entfernungen zu hören ist. Insgesamt haben Goldkronensifakas (Propithecus tattersalli) ein Repertoire von 5 bis 6 verschieden Rufen. Zusätzlich zu den Lautäußerungen, nutzen sie Duftmarken und verschiedene Körperhaltungen zur Kommunikation. Zur taktilen Kommunikation gehört die gegenseitige Pflege, das Spielen und die Paarung [4][7].

Gefahren und Schutz

Obwohl es keine Berichte darüber gibt, gehören zu den Fressfeinden höchstwahrscheinlich Fossas und verschiedene Greifvögel, für die es scheinbar einen speziellen Alarmruf gibt [4].

Der Goldkronensifaka (Propithecus tattersalli) ist wahrscheinlich einer der am meisten bedrohten Lemuren auf Madagaskar. Die Wälder, in denen sie leben, sind stark fragmentiert und die einzelnen Waldinseln sind durch degradierte Grasflächen voneinander isoliert. In ihrem Verbreitungsgebiet im Norden Madagaskars gibt es nur noch 75 verblieben Waldinseln und in nur 45 von diesen ist der Goldkronensifaka anwesend [5].

Aktuelle Schätzungen der Bevölkerungsdichte reichen von 10 bis 23 Individuen pro km² und die Gesamtbevölkerung wird auf 6.000 bis 10.000 Tiere geschätzt [6].

Goldkronensifakas (Propithecus tattersalli) leben in keinem der vielen Schutzgebiete Madagaskars. Die größten Bedrohungen für Goldkronensifakas sind Brandrodungen für die Landwirtschaft, unkontrollierte Grasbrände, Holzeinschlag für den Wohnungsbau und die Brennholzproduktion, die Waldvernichtung durch Fällung von Edelhölzern und der Goldbergbau. Die Jagd auf die Tiere durch Goldgräber ist vielleicht die größte aktuelle und künftige Bedrohung, obwohl Goldgräber noch nicht bei der Jagd beobachtet wurden. Doch neuere Informationen deuten darauf hin, dass diese Bergleute zumindest in einigen Regionen zu einem Problem geworden sind [1].

Literatur

[1] Mittermeier et al., 2008; [2] Nowak, 1999; [3] Ganzhorn und Kappler, 1993; [4] Harcourt und Thornback, 1990; [5] Mittermeier et al., 1992; [6] Vargas et al., 2002; [7] Rowe, 1996.