Lemuren- und Loriverwandte

Edwards-Sifaka (Propithecus edwardsi)


Ein Kurzvideo von Arthur Chapman, das den seltenen Milne-Edwards Sifaka zeigt.

Edwards Sifaka (Propithecus edwardsi) ist nur auf der Insel Madagaskar vor der Südwestküste Afrikas heimisch.

Lebensraum

Sie leben nur in einem kleinen Gebiet im Andringitra Nationalpark im Südosten Madagaskars. Dort erstreckt sich ihr Lebensraum von den Flüssen Mangoro und Onvine im Norden bis zum Rienana River im Süden. Früher kamen sie wahrscheinlich auch weiter südlich bis zum Manampatrana River vor. Aufgrund etwas verschiedener Lebensumwelten ergibt ein Vergleich der Mermale zwischen Propithecus edwardsi und Propithecus diadema einige Unterschiede. Beide leben in der gleichen Gegend, wobei aber P. diadema weiter landeinwärts in bergigen Landschaften zuhause ist [1][2][3][4].

Edwards-Sifakas leben in den Küstengebirgen an der Ostküste Madagaskars in primären und sekundären Wäldern in Höhen zwischen 600 und 1.600 m. Die Bergwälder wurden in der Vergangenheit durch Abholzung bereits stark dezimiert, stehen aber jetzt unter Naturschutz [1][2][3][4].

Aussehen

Edwards-Sifakas sind schwarz oder schokoladenbraun mit weißen Flecken auf den Hinterbeinen und auf dem Rücken. Diese weißen Flecken sind nicht immer vorhanden, manchmal sind sie durch silbrige Haarspitzen ersetzt. Sie haben ein kurzes, nacktes und schwarzes Gesicht mit nach vorn gerichteten Augen für eine verstärkte Tiefenwahrnehmung. Die Ohren sind ebenfalls nackt, aber im Allgemeinen durch das Fell des Kopfes bedeckt. Männchen haben eine dunkle schwarze oder braune Drüse am Hals. Die Körperlänge bis zum Schwanzansatz beträgt 42 bis 52 cm. Der Schwanz ist zwischen 41 bis 48 cm lang. Die Primaten erreichen ein Gewicht von 5 bis 6,5 kg [2][3].

Nahrung

Edwards-Sifakas sind vor allem Früchtefresser, ernähren sich aber auch von Blättern, Samen und Blüten. Ihr Speiseplan enthält eine breite Vielfalt an Pflanzen, die von Jahreszeit zu Jahreszeit variiert [2][5].

Fortpflanzung

Edwards-Sifakas sind in der Regel nicht für das ganze Leben monogam. In den Familiengruppen gibt es in der Regel ein einziges erwachsenes Paar, das sich miteinander fortpflanzt. Der Rest der Gruppe besteht aus den Nachkommen dieses Paares. Während der Paarungszeit, gegen Ende Mai, wechseln die Männchen manchmal die Gruppen, was dabei hilft, die Vielfalt im Gen-Pool zu erhalten. Wegen des Verlusts ihres Lebensraums und der damit verbundenen Beschränkung ihrer Reviergröße beobachtet man klare Trends zu etwas größeren Gruppen. Männchen benutzen ihre Drüsen am Hals, um den Östrus bei Weibchen zu stimulieren. Sie markieren Bäume und Äste und sogar das Fell auf Kopf und Rücken des anderen Geschlechts. Männchen folgen den Weibchen und riechen an ihren Genitalien, um die Paarungsbereitschaft in Erfahrung zu bringen [4].

Edwards-Sifakas pflanzen sich langsam fort. Weibchen gebären lediglich alle zwei Jahre in den Monaten Juni und Juli. In den Familiengruppen gibt es in der Regel ein erwachsenes Paar mit ihren Nachkommen aus den vergangenen Paarungszeiten. Das heißt, dass sich die Gruppen in der Regel nur um ein oder zwei neue Mitglieder pro Fortpflanzungssaison vergrößern [1][3][4].

Anfangs tragen die Mütter der Edwards-Sifakas ihren Nachwuchs auf dem Bauch herum, bis sie im Alter von etwa 3 bis 4 Wochen auf den Rücken wechseln. Sobald ein Junges selbstständig klettert und springt, kommt es häufig vor, dass es abstürzt. Wenn eine Mutter sieht, dass ein bereits selbstständiges Junges abgestürzt ist, kommt sie herunter und kümmert sich um das Jungtier. Sifakas lernen indem sie die Erwachsenen beobachten. In der Regel sind es die Weibchen, die für die Betreuung des Nachwuchses verantwortlich sind. Allerdings ist es nicht ungewöhnlich, wenn männliche Sifakas den Müttern bei der Nahrungsbeschaffung für den Nachwuchs helfen. Sie wurden auch beobachtet, wie sie Müttern mit Jungen helfen, die nicht von ihnen stammen [4].

Edwards-Sifakas können sehr alt werden, vermehren sich aber langsam. Fast die Hälfte aller jungen Edwards-Sifakas werden wegen Beutegreifern kaum älter als 1 Jahr. Auch der Stress, der mit dem Verlust von Lebensräumen zusammenhängt, begünstigt die hohe Sterblichkeitsrate. Es gibt einige dokumentierte Fälle von Infantizid (Kindstötung) durch gruppenfremde Männchen [2][3][4].

Verhalten

Edwards-Sifakas finden sich in kleinen Familiengruppen von 3 bis 9 Tieren zusammen. Sie bewegen sich durch ihre komplexen Waldlebensräume fort, indem sie in aufrechter Haltung von Ast zu Ast springen. Ihre ausgezeichnete Tiefenwahrnehmung hilft ihnen, sehr sicher auf einem Ast zu landen, der vorher sorgfältig ausgesucht wurde. Sie benutzen ihre kräftigen Hinterbeine, um sich vom Baum abzustoßen. In der Mitte des Sprunges richten sie dann die Hinterbeine nach vorne, um sich mit diesen zuerst am Ziel-Ast festzuhalten. Da ihre Beine kürzer als die Arme sind, können sie sich nicht sehr gut am Boden bewegen. Ihre Greiffüße sind semi-digitigrad ? und sie haben ein opponierbaren Großzeh für das Festhalten an Ästen. Während der Nahrungssuche bewegen sie sich auf dünneren Ästen eher langsam fort. Um sich schneller fortzubewegen und umherzustreifen, wechseln sie dann auf dickere Äste oder größere Bäume über. Edwards-Sifakas besitzen eine Art "Zahnkamm", der von den unteren Schneidezähne gebildet wird, und den sie für die gegenseitige Fellpflege verwenden. Das Sozialverhalten der Fellpflege und spielerische Verhaltensweisen werden während der Regenzeit öfter praktiziert als zu anderen Zeiten. Gelegentlich begrüßen sich die Mitglieder der Familiengruppen, indem sie sich kurz mit der Nase berühren [2][3][4].

Jede Gruppe der Edwards-Sifakas besetzt in der Regel ein Revier von 100 bis 250 Hektar. Die Populationsdichte wird auf ca. 8 Individuen pro Quadratkilometer geschätzt [2][4].

Kommunikation

Edwards-Sifakas bedienen sich verschiedener Laute, um zu kommunizieren. Ein Ruf, der sich ähnlich wie "Moos" anhört, wird verwendet, um die Gruppe von anderen abzugrenzen. Ein plötzlicher Warnruf, der sich wie "zusss" anhört, gilt Feinden auf dem Boden und bellende Laute warnen vor Bedrohungen aus der Luft. Wenn Edwards-Sifakas den Kontakt zur Familiengruppe verlieren, geben sie Pfeiflaute von sich, um andere wissen zu lassen, wo sie gerade sind. Allogrooming ? ist Edwards-Sifakas eine Form der taktilen Kommunikation, und es ist wahrscheinlich, dass es noch andere Formen von Berührung und Körpersprache zwischen den Individuen gibt. Die Duftmakierungen der Männchen sind eine Form der sexuellen Kommunikation.

Systematik


Gefahren

Edwards-Sifakas werden hauptsächlich von Fossas (Cryptoprocta ferox) gejagt. Um ihnen zu entkommen, springen sie sehr schnell von Baum zu Baum; ihre Geschwindigkeit in den Bäumen ist zu ihrem Vorteil sehr viel schneller, als die der Fossas. Jungtiere werden wahrscheinlich oft Opfer von großen Raubvögeln, auch wenn dies noch nicht dokumentiert wurde [3][4].

Edwards-Sifakas sind in erster Linie durch den Verlust von Lebensraum bedroht. In den letzten dreißig Jahren sind die Gesamtpopulationen um mehr als 50% gesunken. Naturschutzverbände prognostizieren einen weiteren Rückgang um 50 % in den nächsten drei Jahren. Der Verlust an Lebensräumen steht mit dem Gold-Bergbau und der illegalen Rumproduktion in Zusammenhang, denn dies führt zu einer vermehrten Abholzung der Wälder. Andere menschliche Einflüsse sind Jagd, vor allem in den nördlichen Teilen ihres Lebensraumes. Jagd und Abholzung gelten als die größten Gefahren für Propithecus edwardsi. Um das Aussterben der Art doch noch zu verhindern, gibt es ein paar Nationalparks, die in ihrem Verbreitungsgebiet errichtet wurden. Es gibt keine bekannten Populationen in Gefangenschaft [1].

Literatur

[1] Rote Liste der IUCN, 2008; [2] Konstant et al., 2006; [3] Tattersall und Sussman, 1975; [4] Tattersall, 1982; [5] Gould and Sauther, 2006