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Buschwaldgalago oder Allen-Galago (Galago alleni)

Steckbrief

*Physiologie
Gewicht: 314 g
Kopf-Rumpf-Länge: 19,9 cm
Schwanzlänge: ?
*Mittelwerte, Daten nach Rowe (1996)
Ernährung
Pflanzensäfte, Kleine Tiere (auch Vögel), Früchte
in anderen Sprachen
Allen's Galago, Allen's Squirrel Galago, Allen's Bushbaby
Galago D'Allen
Gálago De Allen
Verbreitung Große Karte
 
IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. www.iucnredlist.org

Der Buschwaldgalago oder Allen-Galago (Galago alleni, Sciurocheirus alleni) ist ein kleiner Primat aus der Gruppe der Feuchnasenaffen (Strepsirrhini). Er ist in den Regenwäldern West- und Zentral-Afrikas verbreitet.

Lebensraum

Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Nigeria bis westlich des Nigerdeltas sowie vom Südwesten der Zentralafrikanischen Republik bis in den südlichen Kongo [3][6][8]. Ihr Lebensraum ist das Unterholz primärer, feuchter Wälder, in sekundären Wäldern trifft man sie selten an [4][8].

Aussehen

Allen-Galagos (Galago alleni) haben ein dickes Fell, das von grau bis braun reicht und an den Gliedmaßen rostbraun gefärbt ist. Die Unterseite ist heller und reicht von grau bis gelblich weiß. Allen-Galagos haben dunkle Flecken aus Fell um die Augen herum. Der Schwanz ist lang und buschig. Bei einer Kopf- Rumpflänge von 15,5 bis 24,0 cm werden sie zwischen 200 und 445 g schwer.

Wie andere Mitglieder der Gattung Galago, haben Allen-Galagos als Anpassung an ihre nächtliche Lebensweise große Augen mit einem Tapetum lucidum ? hinter der Netzhaut, was eine gute Nachtsicht ermöglicht. Interessant ist, dass diese Primaten farbenblind sind, die Netzhaut nur aus Stäbchen besteht und keine echte Macula ? vorhanden ist.

Wie viele ihrer Verwandten haben Allen-Galagos (Galago alleni) flexible, nackte Ohren, die nach hinten und unten bewegt werden können. Allen-Galagos (Galago alleni) haben wie andere Feuchtnasenaffen einen speziellen Zahnkamm, der aus den vier Schneidezähnen und zwei Eckzähnen gebildet wird. Die kleinen Primaten haben sehr starke Hinterbeine und sind für ihre enorme Sprungfähigkeit bekannt [4][5][6].

Die Territorien der Männchen überlappen sich mit den Territorien mehrerer Weibchen. Für den Zugang zu weiblichen Territorien gibt es unter Männchen intensiven Wettbewerb. Die Dominanz der Männchen scheint mit ihrer Körpermasse einherzugehen, wobei die größten Männchen die dominantesten sind [4][6].

Fortpflanzung

Weibchen bringen nach einer ungewöhnlich langen Tragzeit von ca. 133 Tagen ein einzelnes Junges zur Welt. Die Geburten finden während des ganzen Jahres statt, mit saisonalen Spitzen in einigen Teilen ihres Verbreitungsgebiets. In Gabun gibt es z.B. von Januar bis April eine Zunahme der Geburten, zu einer Zeit also, wo Früchte und Insekten am häufigsten sind. Die Neugeborenen sind im Vergleich zu anderen Säugetieren vergleichbarer Größe sehr klein und wiegen nur 5 bis 10 g. Wenn der Geburtstermin näher rückt, entfernen sich die werdenden Mütter für etwa zwei Wochen von ihrer Gruppe. Der Nachwuchs wird im Alter von etwa 6 Wochen entwöhnt. Die Jungen werden mit etwa 8 bis 10 Monaten geschlechtsreif [4][6][7].

Allen-Galagos (Galago alleni) bauen Nester für ihre Jungen und manchmal helfen sich die Weibchen mit Nachwuchs untereinander bei der Betreuung der Kleinen. Wenn die Weibchen zur Nahrungssuche das Nest verlassen, tragen sie den Nachwuchs im Mund mit sich. Ist eine geeignete Nahrungsquelle gefunden, verstecken sie die Kleinen im Geäst, um ungehindert fressen zu können.

In Gefangenschaft können Galago alleni über 12 Jahre alt werden, dies entspricht einer maximalen Lebenserwartung von 8 Jahren in freier Wildbahn [6][7].

Verhalten

Die Männchen der Allen-Galagos (Galago alleni) sind Einzelgänger und und verhalten sich vor allem gegenüber anderen Männchen sehr aggressiv. Weibchen mit Nachwuchs bilden oft kleine Gruppen mit bis zu 4 Tieren und verschlafen den Tag in Nestern oder Baumhöhlen. Die Männchen leben allein oder in kleinen Gruppen von 2 oder 3 Tieren, bis sich die Gelegenheit ergibt, ein dominantes Männchen aus seinem Revier zu vertreiben und selbst Chef zu werden. Dominante Männchen beanspruchen ein großes Gebiet und sind sehr territorial, und es gibt einen intensiven Wettbewerb um die Nähe zu den Revieren der Weibchen. Männchen signalisieren Aggression indem sie eine aufrechte, zweibeinige Haltung einnehmen, den Mund öffnen und Zischlaute von sich geben.

Allen-Galagos (Galago alleni) markieren ihr Territorium, indem sie ihren Urin verteilen und verwischen. Sie urinieren auf die Sohlen ihrer Füße und laufen ihre Reviergrenzen ab, bis der Geruch gut wahrnehmbar ist. Dieses Verhalten ist bei Buschbabys weit verbreitet. Die Reviere der Weibchen umfassen eine Fläche von 8 bis 16 ha, Männchen beanspruchen Reviere, die 30 bis 50 ha groß sind [4][5][6].

Allen-Galagos (Galago alleni) praktizieren gegenseitige, soziale Fellpflege, wobei ihr Zahnkamm und die spezielle Putzkralle auf dem zweiten Zeh zum Einsatz kommen. Der Zahnkamm reinigt verschmutzte Stellen des Fells, und wird selbst durch eine Art "zweiter Zunge" sauber gehalten. Dieses Verhalten ist auch bei anderen Galagos üblich [2][3][4][5][6][7].

Systematik

Kommunikation

Allen-Galagos (Galago alleni) kommunizieren mittels drei Kategorien von Lautäußerungen - soziale Laute, Aggression und Verteidigung. Soziale Kommunikation findet in Form von Knackgeräuschen zwischen Nachwuchs und Mutter statt, die ungefähr wie "tsik-tsik" klingen. Andere Rufe hören sich wie weiches Quaken an und lautere Rufe dienen dazu, größere Gruppen zu versammeln. Wenn ein Tier Alarmrufe von sich gibt, kann es passieren, dass sich mehrere Galagos zusammen tun und ein Raubtier, etwa eine Katze, verjagen. Laute, die Aggression bedeuten, klingen etwa wie "kwii - kwii - kwii".

Allen-Galagos (Galago alleni) können über ihre Gesichtsmuskulatur viele Gesichtsausdrücke annehmen, die ebenfalls der Kommunikation dienen. Die Mimik kann Defensive, Drohung oder Schutzverhalten bedeuten und spielt eine Rolle bei der Kommunikation zwischen Nachwuchs und Müttern.

Allen-Galagos (Galago alleni) kommunizieren auch über Berührungen miteinander. Bei der ersten Begegnung mit einem Artgenossen beschnuppern sie sich einander, um sich dann mit den Nasen zu berühren. Die soziale Fellpflege ist die wichtigste Form der taktilen Kommunikation und dient der Festigung sozialer Beziehunen untereinander [3][5][6][7].

Allen-Galagos (Galago alleni) können in der Nacht außergewöhnlich gut sehen, wenn auch ohne Farbwahrnehmung. Auch das Gehör und der Geruchssinn sind sehr fein, um sich in ihrer nächtlichen Umgebung besser zurechtzufinden [5][6].

Wenn sich Allen-Galagos (Galago alleni) bedroht fühlen, können sie sich auf den Hinterbeinen fortbewegen, was ihnen eine höhere Geschwindigkeit verleiht. Bemerkt der Primat ein Raubtier, kann er weite Distanzen von Ast zu Ast springend überwinden. Um Artgenossen bei Gefahr zu warnen, geben sie Alarmrufe von sich. Über Fressfeinde von Allen-Galagos ist nicht viel bekannt, obwohl man davon ausgeht dass sie anderen baumlebenden Raubtieren, wie Katzen oder Eulen zum Opfer fallen. Die größte Gefahr geht jedoch vom Menschen aus, da er es ist, der ihren Lebensraum zerstört [4][5][6][8].

Nahrung

Allen-Galagos (Galago alleni) sind in erster Linie Frugivoren (Früchtefresser) und ernähren sich vor allem von Fallobst. Früchte machen schätzungsweise drei Viertel ihrer Ernährung aus, aber sie fressen auch Insekten und gelegentlich kleinere Säugetiere als proteinreiche Erweiterung ihres Speiseplans [4][6][7].

Gefahren

Allen-Galagos (Galago alleni) werden von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als gering gefährdet eingestuft. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) listet Allen-Galagos in Anhang II ?. Die größte Bedrohung für Allen-Galagos ist die Vernichtung ihres Lebensraums. Das schnelle Bevölkerungswachstum und ein Bürgerkrieg in Nigeria haben den verfügbaren Lebensraum drastisch verringert. Auch wenn die Jagd auf Galagos kein ernstes Problem zu sein scheint, gibt es glücklicherweise Gesetze, die die Jagd und das Einfangen von Galagos ohne Genehmigung verbieten. Ein geschütztes Reservat, in dem Allen-Galagos leben, gibt es zwar in Kamerun, aber viel mehr werden benötigt [1][6][7][8].

Literatur

[1] IUCN, 2008; [2] Bearder et. al., 1986; [3] Flannery, S. 2001; [4] Müller, E., B. Grzimek. 1990; [5] Napier, J. 1967; [6] Nowak, R. 1991; [7] Rowe, N. 1996; [8] Wolfheim, J. H. 1983