Lemuren- und Loriverwandte

Senegal-Galago (Galago senegalensis)


Der Senegal-Galago (Galago senegalensis) ist ein kleiner, nachtaktiver Primat aus der Gruppe der Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini); Galago senegalensis ist möglicherweise der am weitesten verbreitete Primat aus der Familie Galagidae.

Lebensaum

Ihr Lebensraum ist trockenes Waldland, das sich vom Senegal bis nach Kenia erstreckt. Außerdem findet man sie auf der Insel Sansibar vor der ostafrikanischen Küste [1].

Fossilien von Senegal-Galagos wurden in Äthiopien, Kenia und Tansania gefunden und werden auf das Plio-Pleistozän datiert.

Aussehen

Die kleinen Primaten haben ein wolliges, dickes Fell, das farblich von silbergrau bis dunkelbraun reicht. Sie erreichen bei einer Körperlänge von etwa 13,0 cm ein Gewicht zwischen 95 - 300 g. Der Schwanz ist etwa 20 bis 30 cm lang. Durch die großen Augen verfügen Senegal-Galagos (Galago senegalensis) über eine sehr gute Nachtsicht.

Die starken Hinterbeine befähigen die Tiere zu weiten Sprüngen über Distanzen von bis zu 5 m, der lange Schwanz wird dabei als Balance eingesetzt. Ihre Ohren bestehen aus vier Segmenten und können unabhängig voneinander bewegt und sogar nach unten gebogen werden. Das feine Gehör ist unerlässlich bei der nächtlichen Jagd auf Insekten. Senegal-Galagos (Galago senegalensis) sind Allesfresser, deren Ernährung hauptsächlich aus Insekten besteht. Sie fressen aber auch kleine Vögel und deren Eier, Früchten, Samen, Blüten, Nüsse und Baumexsudate ?.

Die Finger- und Zehenspitzen sind mit flachen Kissen aus verdickter Haut ausgestattet, was ihnen dabei hilft, Äste und Stämme mit glatten Oberflächen besser greifen zu können. Unterhalb der fleischigen Zunge befindet sich eine knorpelige Verdickung, die in Verbindung mit den vorderen Zähnen (Zahnkamm) zur Fellpflege verwendet wird.

Fortpflanzung

Das Fortpflanzungsverhalten der Senegal-Galagos (Galago senegalensis) ist polygyn ? geprägt. Männchen stehen in ständigem Wettbewerb um den Zugang zu den Revieren der Weibchen. Die kleinen Primaten paaren sich zweimal jährlich, einmal zu Beginn der Regenzeit im November und ein zweites Mal am Ende der Regenzeit im Februar. Die Weibchen bauen Nester aus Zweigen und Laub, in denen sie die Jungen zur Welt bringen und aufziehen. Senegal-Galagos (Galago senegalensis) haben in der Regel ein oder zwei Junge pro Geburt, manchmal kommen Drillinge zur Welt. Die Geburten finden nach einer Tragzeit von 110 bis 120 Tagen von April bis November statt. Die Jungen werden etwa 3½ Monate gesäugt, obwohl sie schon am Ende des ersten Lebensmonats in der Lage sind, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Die Kleinen klammern sich in der Regel im Fell der Mutter fest, wenn diese auf Nahrungssuche geht, oder die Mutter packt sie am Nacken und trägt sie mit dem Mund umher. Manchmal lässt sie die Kleinen aber auch allein im Nest zurück. Ob Männchen bei der Aufzucht des Nachwuchses eine Rolle spielen, wurde bislang noch nicht beobachtet.

Video

Territorialität

Erwachsene Weibchen halten eigene Territorien, teilen sie aber mit ihren Sprösslingen. Junge Männchen verlassen mit Erreichen der Pubertät die Territorien ihrer Mütter, junge Weibchen bleiben länger. Die sozialen Gruppen bestehen eng verwandten Weibchen mit ihren noch nicht erwachsenen Nachkommen. Erwachsene Männchen besetzen separate Territorien, die sich mit denen der weiblichen Gruppen überschneiden. Für gewöhnlich paart sich ein ausgewachsenes Männlichen mit allen Weibchen in einer Region. Nicht dominante Männchen ohne eigenes Territorium bilden zuweilen kleine Junggesellengruppen.

Kommunikation

Senegal-Galagos (Galago senegalensis) kommunizieren wie andere Buschbabys sowohl durch Rufe als auch durch Markierung ihrer Streifgebiete mit Urin. Gegen Ende der Nacht rufen sich die Mitglieder einer Gruppe durch einen besonderen Sammelruf zusammenn um dann gemeinsam in ihren Nestern aus Blättern und Zweigen oder in einem Baumloch zu schlafen.

Systematik


Natürliche Feinde

Über Fressfeinde der Senegal-Galagos (Galago senegalensis) weiß man wenig und Details fehlen. Die häufigsten Feinde dürften kleine Katzen, Schlangen und Eulen sein. Buschbabys entkommen ihren Feinden in den Bäumen oft durch weite Sprünge. Außerdem machen sie ihre Artgenossen mittels Alarmrufen auf mögliche Gefahren aufmerksam.

Neuere Beobachtungen belegen indes, dass auch westliche Schimpansen Jagd auf Senegal-Galagos (Galago senegalensis) machen. Dabei suchten die Menschenaffen gezielt nach Baumlöchern, in denen sich Galagos versteckt halten könnten, um dann mit einem selbstgefertigten Speer in die Löcher zu stechen. Danach rochen sie an der Speerspitze und wenn sie Blut schmeckten, griffen sie in die Baumlöcher oder brachen sie auf, um die Galagos zu fressen [3]. Obwohl diese Methode nur einmal in zweiundzwanzig Versuchen Erfolg hatte, scheint es, dass sie energieeffizienter ist, als den flinken Galagos in den Bäumen hinterherzujagen [4].

Schutz

Senegal-Galagos sind weit verbreitet, relativ anpassungsfähig, die Populationen scheinen stabil zu sein und im Moment sind keine größeren Bedrohungen bekannt. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft die Art als nicht gefährdet (least concern) ein [2].

Derzeit erkennen Primatologen vier Unterarten an:

  • Galago senegalensis senegalensis, verbreitet vom Senegal im Westen über den Sudan bis nach West-Uganda
  • Galago senegalensis braccatus, verbreitet in einigen kenianischen Distrikten sowie im Norden und in der Mitte Tansanias
  • Galago senegalensis sotikae, verbreitet in Somalia und in der äthiopischen Ogaden-Region
  • Galago senegalensis dunni, verbreitet am Südufer des Lake Victoria in Tansania in der westlichen Serengeti, sowie von Mwanza in Tansania bis Ankole in Süd-Uganda.

Literatur

[1] Groves, C., 2005); [2] Bearder, S., Butynski, T. M. & De Jong, Y., IUCN 2008; [3] FOXNews.com - Killer Chimps Make Spears, Hunt Bushbabies - Science News | Science & Technology | Technology News; [4] Scientists: Chimps hunt prey with spears - LiveScience - MSNBC.com; [5] Rowe, N. 1996