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Gelbkopfbüschelaffe (Callithrix flaviceps)

Steckbrief

Gelbkopfbüschelaffe (Callithrix flaviceps) - primata.de
Physiologie*
Gewicht: 406 g
Kopf-Rumpf-Länge: 23,1 cm
Schwanzlänge: 32,2 cm
*Mittelwerte, Daten nach Rowe (1996)
Ernährung
Exsudate, Kleine Tiere, Früchte, Samen
in anderen Sprachen
Buffy-headed Marmoset
Ouistiti À Tête Jaune
Verbreitung Große Karte
 
IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. www.iucnredlist.org

Der Gelbkopfbüschelaffe (Callithrix flaviceps) ist in Resten der südostbrasilianischen Wälder in den Bundesstaaten Minas Gerais und Espírito Santo verbreitet. Der kleine Primat lebt in der Regel in Höhen von über 400 m und ist auf einzelne, übriggebliebene Flecken des atlantischen Regenwalds beschränkt, die sich meist in Privatbesitz befinden [2]. Dort bevorzugen sie dicht bewachsene Lebensräume wie sekundäre oder zergliederte Wälder, die entweder natürlichen Ursprungs oder von Menschen gemacht sind.

Aussehen

Gelbkopfbüschelaffen (Callithrix flaviceps) haben mit anderen Neuweltaffen viele Gemeinsamkeiten, einschließlich der langen Schwänze und nach unten weiter auseinanderstehenden Nasenlöcher. Als Mitglieder der Familie Callitrichidae (Krallenaffen) gehören sie zu den kleinsten Primaten der Welt. Gelbkopfbüschelaffen (Callithrix flaviceps) sind von anderen Krallenaffen durch ihre weißen, horizontal von den Seiten des Kopfes abstehenden Haarbüschel, und durch ihr weißes Gesicht mit den dunklen Haaren rund um Augen und Nase leicht zu unterscheiden. Darüber hinaus sind sie im allgemeinen dunkler gefärbt, wobei der Rücken dunkler als die Bauchseite ist. Der Schwanz besitzt wechselnde Bänder aus schwarzen und helleren Haaren. Gelbkopfbüschelaffen (Callithrix flaviceps) haben nicht gegenüberstellbare Daumen und ihre Nägel sind zu Krallen umgeformt [2]. Männchen und Weibchen sind ähnlich groß.

Polygynie ? und Polyandrie ? wurden in Gruppen der Gelbkopfbüschelaffen (Callithrix flaviceps) zwar beobachtet, aber die dominierende soziale Form ist die Monogamie.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Gelbkopfbüschelaffen (Callithrix flaviceps) bringen nach einer Tragzeit von 140 bis 150 Tagen in der Regel Zwillinge zur Welt, ein gemeinsames Merkmal der Familie Callitrichidae. Die Weibchen pflanzen sich kontinuierlich fort und können angesichts der Kürze der Tragzeit von unter knapp fünf Monaten möglicherweise dreimal innerhalb von zwölf Monaten gebären. Nur die Mutter säugt ihren Nachwuchs, aber nach der Geburt hilft die gesamte soziale Gruppe etwa einen Monat lang, die Jungen zu tragen und zu versorgen, bis sie nicht mehr völlig abhängig von den älteren Mitgliedern der Gruppe sind [2]. Ansonsten ist wenig über das Fortpflanzungsverhalten der Gelbkopfbüschelaffen (Callithrix flaviceps) bekannt.

Die Lebenserwartung der Gattung Callithrix scheint in der Wildnis bei über 10 Jahren zu liegen und bis zu 16 Jahre in Gefangenschaft [3].

Gruppenleben

Gelbkopfbüschelaffen (Callithrix flaviceps) leben in Gruppen von bis zu fünfzehn Affen. Diese Gruppen bestehen aus verwandten Individuen und zeigen matriarchale Dominanz. Jede Gruppe enthält in der Regel ein dominantes Weibchen, das sich als einziges Weibchen auch tatsächlich fortpflanzt. Allerdings haben jüngste Studien gezeigt, dass in mindestens einer Gruppe von Gelbkopfbüschelaffen (Callithrix flaviceps) Polygynie, Polyandrie und Monogamie gemeinsam auftreten, wobei die Monogamie am häufigsten vorkommt. Gelbkopfbüschelaffen (Callithrix flaviceps) sind hauptsächlich während des Tages aktiv und jede Familie hat ihr eigenes Revier [1][2].

Nahrung

Gelbkopfbüschelaffen (Callithrix flaviceps) ernähren sich hauptsächlich von Insekten und Früchte, können aber auch Nährstoffe aus Pflanzensäften extrahieren. Für die meiste Zeit des Jahres sind Früchte (das Hauptnahrungsmittel der meisten Neuweltaffen) im Lebensraum der Marmosetten knapp. Aufgrund ihrer Abhängigkeit von Pflanzensäften und Baumharzen haben Krallenaffen mehrere Spezialisierungen entwickelt. Erstens wird Baumharz von den Pflanzen in nur relativ geringen Mengen produziert - daher sind Krallenaffen klein (selten mit einem Gewicht von mehr als 500 g), besitzen Krallen statt Nägel, sowie scharfe, nach außen gerichtete Schneidezähne (ohne Zahnschmelz auf der Innenseite, um die Schärfe zu erhöhen) und eine rauhe Zunge für eine effiziente Baumharz-Extraktion. Zweitens besteht der Großteil der Kohlenhydrate des Baumharzes aus komplexen Polysacchariden - ein Grund für das spezialisierte Verdauungssystem der Krallenaffen mit einem besonderen Blinddarm und spezialisierten Darmbakterien, die zum Gärungsprozess beitragen. Die Mehrheit der Baumharze, von denen sich Gelbkopfbüschelaffen (Callithrix flaviceps) ernähren, stammen vom Akazienbaum Acacia paniculata, der die Ränder der sekundären Wälder im Lebensraum der Marmosetten dominiert. Es ist besonders interessant, dass sie anstatt ständig neue Löcher in die Akazien zu meißeln, vorhandene Löcher nutzen und regelmäßige Futterplätze eingerichtet haben. Baumharze machen 72,5% ihrer Pflanzennahrung aus und Früchte, Samen, Nektar und Blüten haben einen Anteil von 15,9% der Pflanzenkost [2].

Systematik

Gefahren

Gelbkopfbüschelaffen (Callithrix flaviceps) zeigen viele Anpassungen, um Raubtiere abzuwenden, dazu gehören altruistische Verhaltensweisen wie Warnrufe im Falle von Gefahr. Außerdem sind sie in den Bäumen wendig und schnell. Ihre gefährlichsten Fressfeinde sind Raubvögel und kleine Katzenrten wie der Ozelot, sie können auch großen Schlangen zum Opfer fallen [2]. Gelbkopfbüschelaffen (Callithrix flaviceps) spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Samen und haben einen gewissen Einfluß auf das Wachstum der Pflanzen, von denen sie sich ernähren.

Gelbkopfbüschelaffen (Callithrix flaviceps) werden von der Weltnaturschutzunion (IUCN) vor allem wegen des winzigen, Gebiets, auf dem sie leben, als gefährdet eingestuft. Die Gesamtstruktur ihres Lebensraums ist durch Landwirtschaft, Rinderzucht, Eucalyptus-Plantagen, Verstädterung und Bergbau sehr fragmentiert [4]. Gelbkopfbüschelaffen (Callithrix flaviceps) gehören zu den seltensten Krallenaffen Südamerikas.

Literatur

[1] Ferrari, 1987; [2] Ferrari, 1998; [3] Nowak, 1991; [4] Rylands, A.B, Ferrari, S.F. & Mendes, S.L. 2008. Callithrix flaviceps. In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 21 March 2010.