Neuweltaffen

Braunrückentamarin (Saguinus fuscicollis)


Der Braunrückentamarin (Saguinus fuscicollis) ist westlich des Rio Madeira bis südlich des Amazonas sowie südlich des Rio Japurá-Caquetá und Rio Caguán in den Amazonas-Staaten Brasilien, Bolivien, Peru und Ecuador verbreitet. Dort trifft man ihn häufig an Flußläufen und kleinen Bächen an.

Lebensraum

Wie die meisten Krallenaffen bevorzugen Braunrückentamarine (Saguinus fuscicollis) sekundäre Wälder, an deren Rändern sie leben, manchmal trifft man sie aber auch in primären Regenwäldern an. Ihre Reviere umfassen zwischen 25 und 100 ha mit vielen verschiedenen Lebensräumen. Saguinus fuscicollis legt beim täglichen Umherstreifen etwa 1,5 km zurück.

Aussehen

Das Fell dieser Primaten varriert in der Farbe stark zwischen den einzelnen Unterarten. Gemainsam ist ihnen (außer bei den hellen Arten) eine deutliche Färbung auf Hinterteil, Mantel und Sattel, sowie weiß behaarte Wangen.

Braunrückentamarine (Saguinus fuscicollis) sind in der Regel von rostbrauner Farbe mit einem markanten schwarzen Kopf und einer weißen Schnauze. Es herrscht in Bezug auf das Körpergewicht kaum Geschlechtsdimorphismus vor. Wie alle Tamarine haben Braunrückentamarine einen langen Schwanz, der aber nicht zum Greifen geeignet ist. Sie haben Klauen an Fingern und Zehen (mit Ausnahme der Großzehe) und keine opponierbaren Daumen.

Gruppenleben

Die Mehrheit der sozialen Gruppen der Braunrückentamarine (Saguinus fuscicollis) bestehen aus einem Weibchen, mehr als einem Männchen und dem Nachwuchs. Diese polyandrische ? Organisation resultiert wahrscheinlich aus dem einzigartigen Fortpflanzungssystem der Tamarine. In Gruppen mit einem Weibchen und zwei Männchen, paaren sich die beiden Männchen in der Regel mit dem Weibchen und jeder kümmert sich um eines der daraus resultierenden Nachkommen. Juvenile Braunrückentamarine (Saguinus fuscicollis) betätigen sich ebenfalls als Helfer, in dem sie die Kleinen füttern und herumtragen. Diese Verhaltensweisen helfen der Mutter, die sehr hohen Anforderungen zu bewältigen, die das Säugen an sie stellt.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung ist der interessanteste Aspekt in der Biologie von Tamarinen. Braunrückentamarine (Saguinus fuscicollis) werden im Alter von 23 Monaten geschlechtsreif. Die Tragzeit beträgt 140-150 Tage, und die Abstände zwischen den einzelnen Geburten betragen etwa 12 Monate, obwohl Tamarine in Gefangenschaft auch zweimal pro Jahr gebären können. Doch all dies ist nicht ungewöhnlich. Der erstaunlichste Teil des Fortpflanzungssystems ist die Größe und die Anzahl der Nachkommen. Die Mehrheit der Geburten sind Zwillinge, deren Gewicht zusammen fast ein Viertel des Gewichts der Mutter ausmacht. Man geht davon aus, dass dies ein auschlaggebender Faktor für die polyandrische Sozialorganisation der Tamarine ist. Es ist aber auch möglich, dass erst diese polyandrische Pflege der Säuglinge zur Evolution von Zwillingsgeburten und dem außergewöhnlich hohen Geburtsgewicht geführt hat.

Systematik


Das allgemeine Verhalten der Braunrückentamarine (Saguinus fuscicollis) lässt sich am besten in einem täglichen Zeitplan zusammenfassen: 16-17% des Tages fressen sie Pflanzenteile, bei 16% der Futtersuche haben sie es auf Insekten abgesehen, 44% des Tages bestehen aus Ruhepausen und 20-21% streifen sie umher. Der am meisten untersuchte Aspekt des Verhaltens der Braunrückentamarine ist ihre soziale Organisation. Saguinus fuscicollis leben in Gruppen von drei bis zehn Affen samt Nachwuchs.

Nahrung

Braunrückentamarine (Saguinus fuscicollis) sind Allesfresser, die sich vor allem von Insekten, Früchten, Nektar und Exsudaten (Baumharz und Baumsäfte) ernähren. Möglicherweise fressen sie diese Exsudate wegen ihrem hohen Gehalt an Calcium, um die sonst calciumarme Nahrung aus Früchten und Insekten zu kompensieren. Braunrückentamarine verbringen den größten Teil der Nahrungssuche mit der Suche nach großen Insekten (2-5 cm lang), die versteckt in den Bäumen leben.

Ökologie

Braunrückentamarine (Saguinus fuscicollis) sind ein wichtiger Teil der Ökosysteme, in denen sie leben. Sie helfen bei Verbreitung von Samen, indem sie Früchte fressen, sind aber auch wichtige Beutetiere für einige Raubtiere. Durch ihre schöne Erscheinungsform könnten sie in den Staaten ihres Verbreitungsgebietes dazu beitragen, sanften Ökotourismus zu etablieren.

Der Verlust der Lebensräume durch Abholzung ist die größte Bedrohung für die Braunrückentamarine.

Man unterscheidet 11 Unterarten:

  • S. f. avilapiresi
  • S. f. crandalli
  • S. f. cruzlimai
  • S. f. illigeri
  • S. f. fuscicollis
  • S. f. lagonotus
  • S. f. leucogenys
  • S. f. melanoleucus
  • S. f. nigrifrons
  • S. f. primitivus
  • S. f. weddelli

Literatur

Rowe, N. 1996. The Pictorial Guide to the living Primates

Rylands, A.B. & Mittermeier, R.A. 2008. Saguinus fuscicollis. In: IUCN 2011. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 26 September 2011.