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Goldmanteltamarin (Saguinus tripartitus)

Steckbrief

Goldmanteltamarin (Saguinus tripartitus) im Yasuni National Park, Ecuador Goldmanteltamarin (Saguinus tripartitus), aufgenommen im Yasuni National Park, Ecuador
Physiologie*
Kopf-Rumpf-Länge: 21,8 - 24,0 cm
Schwanzlänge: 31,6 - 34,1 cm
*Mittelwerte, Daten nach Rowe (1996)
Ernährung
Früche, Nektar, Kleine Tiere (manchmal Frösche), Exsudate
in anderen Sprachen
Golden-mantle Saddleback Tamarin, Golden-mantled Saddle-back Tamarin, Golden-mantled Tamarin
Chichico De Manto Anaranjado, Chichico Amarillo, Chichico De Manto Dorado, Pichico Barba Blanca, Pichico Común, Tamarino De Espalda Dorada
Verbreitung Große Karte
 
IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. www.iucnredlist.org

Der Goldmanteltamarin (Saguinus tripartitus) ist am rechten Ufer des Rio Napo, westlich der Mündung des Rio Curaray bis zum linken Ufer des Rio Napo oberhalb des Zusammenflusses mit dem Rio Santa Maria und nördlich bis zum kolumbianischen Ufer des Rio Putumayo in der Amazonasregion Perus und Ecuadors verbreitet.

Lebensraum

Saguinus tripartitus ist in immergrünen Regenwäldern des Flachlandes, in saisonal überfluteten Wäldern sowie der Terra Firma ? des Amazonas-Beckens zuhause. Obwohl in der Regel in tieferen Lagen anzutreffen, wurde der Goldmanteltamarin in Höhen bis zu 400 Meter über dem Meeresspiegel an den westlichen Grenzen seines Verbreitungsgebiets, in der Nähe der Anden, beobachtet. Im Allgemeinen leben Tamarine hoch oben in den Bäumen und steigen nur selten auf dem Boden herab [1].

Aussehen

Goldmanteltamarine erreichen eine Körperlänge von 21,8 bis 24,0 cm, ihr Schwanz wird zwischen 31,6 bis 34,1 cm lang. Das Körperfell ist orange gefärbt, die Hände sind schwärzlich orange. Der Kopf ist mit schwarzem Fell bedeckt, wobei Schnauze und Gesicht im Allgemeinen weiß sind. Im unteren Bereich des Rückens gibt es einen cremefarbenen Fleck. Der Schwanz ist in der Regel schwarz mit orangener Unterseite. Der Goldmanteltamarin ist eng mit dem Braunrückentamarin (Saguinus fuscicollis) verwandt. Einige Forscher halten S. tripartitus für eine Unterart von S. fuscicollis [1][2][4].

Gruppenleben

Saguinus tripartitus lebt wie andere Krallenaffen in Gruppen, in denen sich in der Regel nur das dominante Weibchen mit mehreren Männchen paart. Es gibt einige Hinweise auf fakultative Polyandrie ? unter Tamarinen, dass sich zwei oder mehr Männchen mit dem dominanten Weibchen paaren und bei der Pflege und Aufzucht des Nachwuchses helfen [5]. (Abt et al., 1993)

Fortpflanzung

Bei rangniederen Weibchen der Goldmanteltamarine (Saguinus tripartitus) wird wie bei anderen Krallenaffen der Sexualzyklus unterdrückt. Bei Untersuchungen von rangniedrigen Weibchen einer in Gefangenschaft lebenden Gruppe wurden sehr niedrige und acyclische Konzentrationen von Estradiol (ein Hormon, das von den Eierstöcken produziert wird) im Urin gefunden. Wenn man die Weibchen von der Gruppe isolierte und mit einem männlichen Tier zusammenbrachte, schoss die Konzentrationen von Estradiol im Urin in die Höhe und unmittelbar darauf begann ihr Menstruationszyklus. Die physiologischen Gründe dafür sind nicht bekannt, aber es wird spekuliert, dass Pheromone von dominanten Weibchen eine Rolle bei der Unterdrückung des Sexualzyklus rangniederer Weibchen spielen [5][6].

Systematik

Das Muster und die Dauer der elterlichen Fürsorge für den Nachwuchs sind bei Goldmanteltamarinen nicht genau bekannt. Väter neigen dazu, sich mehr um die Jungen zu kümmern, als die Mütter. Dieses Verhalten scheint ein Ausgleich zu den erheblichen energiefressenden Belastungen der Mutter während der Schwangerschaft und der Stillzeit zu sein. Der Nachwuchs ist bereits bei der Geburt relativ zum Körpergewicht der Mutter sehr schwer. Die nachgeburtliche Versorgung dreht sich hauptsächlich um die Fütterung, den Schutz und das Herumtragen der Jungen während ihrer Entwicklungszeit. Andere Mitglieder der sozialen Gruppen tragen in der Regel ebenfalls dazu bei, den Nachwuchs zu füttern und zu schützen [5].

Über die Lebenserwartung von Saguinus tripatitus gibt es nur wenige Informationen. Rowe (1996) beziffert die Lebenserwartung in freier Wildbahn auf sechs Jahre und Hershkovitz (1977) nennt ein Exemplar, das in Gefangenschaft ein Alter von fünf Jahren, neun Monaten und neunzehn Tagen erreichte [3][6].

Goldmanteltamarine (Saguinus tripartitus) sind sehr sozial. Es gibt bestimmte soziale Hierarchien in den Gruppen, aber diese Hierarchien wurden noch nicht untersucht. Die Gruppen bestehen in der Regel aus zwei bis acht (maximal 15) Tieren. Die durchschnittliche Gruppengröße beträgt 5,3 Idividuen. Die sozialen Hierarchien werden durch den Einsatz von Duftmarken aus speziellen Drüsen gebildet und erhalten. Goldmanteltamarine leben auf Bäumen und wurden nur selten auf dem Boden gesehen [1][5].

Die Reviergröße der Goldmanteltamarine ist unbekannt. Es gibt Untersuchungen über die Populationsdichten, die mit 13,5 Primaten pro Quadratkilometer dokumentiert wurden [5].

Kommunikation

Goldmanteltamarine (Saguinus tripartitus) verwenden für die Kommunikation in erster Linie Düfte. Die Affen benutzen hierfür circumgenitale Drüsen (Drüsen rund um den Anus) sowie suprapubische Drüsen (Drüsen im Bereich des Schambeins). Tiere mit höherem sozialen Rang markieren bestimmte Bereiche ihrer Umgebung häufiger als rangniedrigere Affen. Goldmanteltamarine können eine Menge an Informationen aus den Düften beziehen, wie z. B. Geschlecht, Art, sozialen Rang und sexuellen Status [5].

Nahrung

Goldmanteltamarine (Saguinus tripartitus) fressen vor allem Insekten und Früchte. Auch hat man sie bei der Jagd auf kleine Wirbeltiere und andere Arthropoden beobachtet. Blüten, Nektar, Baumharze und andere pflanzliche Ausscheidungen runden den Speisezettel ab. Sie ernähren sich von solchen Exsudaten möglicherweise nicht so häufig, wie einige andere Primaten, da ihr Gebiss weniger für das Aufhobeln oder Aufmeißeln von Pflanzenstämmen geeignet ist [1][4][5].

Gefahren

Goldmanteltamarine (Saguinus tripartitus) selbst sind Beute einer Vielzahl von Tieren, darunter Raubvögel, Schlangen, Katzen (z.B. Ozelots) und Tayras, einer in Mittel- und Südamerika lebende Raubtierart aus der Familie der Marder (Mustelidae). Sie haben verschiedene Verhaltensweisen, um sich vor diesen Räubern zu schützen. Goldmanteltamarine können sehr gut den fäkalen Geruch von Raubtieren und Nicht-Raubtieren unterscheiden und so Gebiete meiden, in denen es Raubtiere gibt. Sie verwenden spezielle Alarmrufe, um die anderen Mitglieder der Gruppe vor Raubtiern entweder in der Luft oder auf dem Boden zu warnen. Manchmal umringen und bedrängen sie Raubtiere, um sie zu vertreiben [5].

In ihrem Ökosystem spielen Goldmanteltamarine eine wichtige Rolle als Beute, hauptsächlich für Raubvögel. Sie sind wichtig in Bezug auf die Ausbreitung von Insekten und kleinen Wirbeltieren, die sie fressen, und in Bezug auf die Pflanzenwelt ihrer Gebiete, da sie Samen verbreiten und Blüten bestäuben [1][3][5].

Goldmanteltamarine (Saguinus tripartitus) werden als "Near Threatened (wenig gefährdet)" durch die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) gelistet. Saguinus tripartitus lebt in abgelegenen Wäldern entlang des Rio Yasuni. Glücklicherweise sind diese Wälder noch nicht wesentlich durch Menschen beeinflusst, sieht man einmal von vereinzelten Erdölsuchern ab. Allerdings hat die jüngste Entdeckung von Erdöl in der Region und der damit verbundene Bau des Pompeya-Iro Highways, der mitten durch diese Gegend führt, unter Naturschützern große Besorgnis bezüglich der Abholzung und der Beeinträchtigung des Lebensraums von S. tripartitus ausgelöst. Aufgrund der befürchteten, hohen Abholzungsrate könnten die Populationen der Goldmanteltamarine bis zu fünfundzwanzig Prozent in den nächsten achtzehn Jahren zurückgehen, das sind gerade mal drei Generationen. [1][2].

Literatur

[1] De la Torre und Cornejo, 2008; [2] Emmons, 1990; [3] Hershkovitz, 1977; [4] Grizmek, 2003; [5] Abbot et al., 1993; [6] Rowe, 1996

de la Torre, S. & Cornejo, F. 2008. Saguinus tripartitus. In: IUCN 2011. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 26 September 2011.