Neuweltaffen

Schwarzer Klammeraffe (Ateles paniscus)


Schwarze Klammeraffen (auch Rotgesichts-Klammeraffen) (Ateles paniscus) sind tagaktive Primaten aus der Gruppe der Neuweltaffen (Platyrrhini). Früher ordnete man den Schwarzgesichtklammeraffen (Ateles chamek) als Unterart dem Schwarzen Klammeraffen zu, dieser gilt jedoch heute als eigenständige Art.

Lebensraum

Schwarze Klammeraffen (Ateles paniscus) sind in Mittel- und Südamerika, nördlich des Amazonas und östlich des Rio Negro verbreitet, wo sie tropische Regenwälder bewohnen [3].

Aussehen

Der Schwarze Klammeraffe (Ateles paniscus) ist einer der größten neotropischen ? Primaten. Die Art zeigt leichten Geschlechtsdimorphismus, wobei die Männchen etwas schwerer sind als die Weibchen. Wie ihr Name "Schwarzer Klammeraffe" schon andeutet, haben sie ein langes, wallendes, schwarzes Fell. Ihre Gesichtsfarbe variert von schwarz bis rosa. Die Jungen haben um die Augen und die Schnauze dunkle Pigmentierung. Schwarze Klammeraffen (Ateles paniscus) erreichen eine Körperlänge von 49 - 62 cm, dabei werden sie zwischen 5,5 und 11,0 kg schwer. Der zwischen zwischen 64 und 93 cm lange Greifschwanz hat ab dem Ansatz über eine Länge von etwa einem Drittel längere Haare als der Rest des Schwanzes [4]. Ein Aspekt der Klammeraffen, der nach wie vor auf viel Interesse stößt, sind ihre anatomischen Anpassungen und ihr Bewegungsapparat, der sehr viel mit den Menschenaffen gemeinsam hat [1].

Ernährung

Schwarze Klammeraffen (Ateles paniscus) fressen vor allem Früchte, die 85 bis 90% ihrer Ernährung ausmachen [1], gefolgt von Blüten mit 6,4 %, Blättern mit 6 % und Rinde mit 1,7 %. Gelegentlich werten sie ihren Speiseplan mit Raupen und Termiten auf [4]. Schwarze Klammeraffen (Ateles paniscus) fressen in der Regel nur reife Früchte. Andere Primatenarten fressen auch härtere Früchte und stehen daher nicht in direktem Wettbewerb mit Schwarzen Klammeraffen (Ateles paniscus) [2]. Schwarzen Klammeraffen (Ateles paniscus) suchen in den Bäumen nur selten unterhalb von 20 m nach Nahrung [4].

Fortpflanzung

Die Männchen paaren sich mit mehreren Weibchen, Paarungen erfolgen nach dem Zufallsprinzip und ohne Dominanzhierarchie [1]. Schwarze Klammeraffen (Ateles paniscus) erreichen die Geschlechtsreife im Alter von etwa 4 bis 5½ Jahren. Weibchen gebären erstmals im Alter von 5 Jahren, ihr Sexualzyklus dauert 26 - 27 Tage. Die Tragzeit dauert etwa 7½ Monate und ist damit nach den Menschenaffen eine der längsten unter den Primaten. Die Geburten finden etwa alle 2 - 4 Jahre jeweils am Ende der Trockenzeit von November bis Januar statt. Die Jungen reiten auf dem Rücken der Mutter bis sie zwischen 6 und 15 Monate alt sind. Die Entwöhnung findet zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat statt. Erst im Alter von 3 Jahren sind die Jungen vollkommen unabhängig [4].

Gruppenleben

Schwarze Klammeraffen (Ateles paniscus) verbringen einen großen Teil ihrer Zeit mit Ruhen. Eine Studie kam dabei auf durchschnittlich 45% ihrer Zeit, gefolgt von der Nahrungsaufnahme mit etwa 29 % und Umherstreifen mit 26 % [1]. Sie haben eine "Fission-Fusion" Sozialorganisation (Trennen und Zusammenkommen), in der sich eine größere Gruppe in kleinere Untergruppen aufteilt, aber wieder zusammenkommt, sobald es um die Verteidigung des Territoriums geht [1]. Der Grund für die Aufspaltung in kleinere Gruppen liegt vermutlich darin, dass sie bei der Suche nach verstreuten Nahrungsressourcen erfolgreicher sind [2].

Die Gruppen der Schwarzen Klammeraffen (Ateles paniscus) bestehen in der Regel aus 15 erwachsenen Weibchen mit ihren Jungen, 5 erwachsenen Männchen und verschiedenen Jugendlichen, die noch nicht geschlechtsreif sind. Männchen leben oft in kleinen Gruppen zusammen, in denen ältere Affen die jüngeren dominieren. Manchmal leben Männchen als Einzelgänger [4]. Die Reviere der Schwarzen Klammeraffen (Ateles paniscus) umfassen 225 ha, innerhalb derer sie täglich etwa 2,7 km auf der Suche nach Nahrung zurücklegen [4]. Männliche Affen patroullieren an den Grenzen der Territorien und zeigen dort aggressives Verhalten.

Kommunikation

Schwarzer Klammeraffe (Ateles chamek)

Wenn sich Schwarze Klammeraffen (Ateles paniscus) durch die Baumwipfel bewegen, sind sie wegen des Blätterraschelns, das durch ihre Sprünge verursacht wird, relativ laut. Männchen assoziieren mit anderen Männchen doppelt so häufig wie mit Weibchen. Diese Affen bedrohen menschliche Beobachter durch heftiges Schütteln der Vegetation und durch Knurren. Untergruppen der Schwarzen Klammeraffen (Ateles paniscus) weichen Roten Brüllaffen (Alouatta seniculus), tolerieren selbst aber die Anwesenheit von Schwarzen Sakis (Chiopotes satanas) im selben Futterbaum.

Schwarze Klammeraffen (Ateles paniscus) haben eine Vielzahl von lauten Rufen, die am Boden über eine Distanz von 800 - 1000 m hörbar sind, über dem Kronendach sogar über 2000 m. Männchen und Weibchen geben geben ein Bellen von sich, wenn sie sich von Raubtieren oder Menschen bedroht fühlen. Grußlaute hören sich wie Pferdewiehern an. Nur die Männchen juchzen. Jugendliche entwickeln ihr Lautrepertoire durch Versuch und Irrtum [4]

Gefahren

Schwarze Klammeraffen (Ateles paniscus) können ein Alter von 33 Jahren erreichen. Durch ihren ungewöhnlich langen Geburtenintervall reagiert die Art besonders anfällig auf die Jagd und die Zerstörung von Lebensräumen [1].

Schwarze Klammeraffen (Ateles paniscus) werden wegen ihrer Körpergröße stark bejagt. Zusammen mit ihren höchst vielschichtigen Nahrungsbedürfnissen und der Abhängigkeit von einer enormen Zahl an Fruchtbäumen, sind sie die ersten Primaten in ihrer Region, die unter dem Jagddruck und dem Holzeinschlag leiden, als andere Arten. Obwohl der Verlust von Lebensräumen in den nördlichen Teilen ihres Verbreitungsgebietes nicht so schwerwiegend ist, bleibt auch dort die Bedrohung durch die Jagd in ihrer ganzen Bandbreite und findet sogar in Schutzgebieten statt.

Es grund zu der Grund zu der Annahme, dass die Populationen der Schwarzen Klammeraffen (Ateles paniscus) in den vergangenen 45 Jahren (=drei Generationen) um mindestens 30% zurückgegangen sind, was vor allem auf den Verlust von Lebensraum in Brasilien zurückzuführen ist. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft die Art daher als gefährdet (Vulnerable) ein [5].

Systematik


Literatur

[1] Symington, 1988; [2] Norconk und Kinzey, 1994; [3] White, 1986; [4] Rowe, 1999; [5] Mittermeier, R.A., Rylands, A.B. & Boubli, J.-P. 2008. Ateles paniscus. In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 13 April 2010.