Neuweltaffen

Schwarzer Brüllaffe (Alouatta caraya)


Black Howler Monkey (Alouatta caraya) female
Bugio-preto (Alouatta caraya)
Bugio-preto (Alouatta caraya)
Bugio-preto (Alouatta caraya)
Black howler monkey
Cody

Der Schwarze Brüllaffe (Alouatta caraya) ist in den Regenwäldern Südamerikas beheimatet. Sein Verbreitungsgebiet umfasst den Osten Boliviens, den Süden Brasiliens, sowie das nördliche Argentinien und Paraguay [9].

Lebensraum

Dort leben sie in tropischen Misch- und Galeriewäldern, wo fast das ganze Jahr konstant Regen fällt, aber auch in Laubwäldern, die mit offenen, savannenähnlichen Flächen durchsetzt sind und die durch feuchtwarme und trockenkalte Jahreszeiten gekennzeichnet sind. Große Teile ihres Lebensraums werden derzeit durch die Zerstörung dieser Waldtypen dezimiert [10][7][4].

Aussehen

Schwarze Brüllaffen (Alouatta caraya) sind sexuell dimorph, wobei Männchen ein durchschnittliches Gewicht von 6,7 kg und Weibchen durchschnittlich 4,4 kg erreichen. Die Körperlänge schwankt zwischen 42 und 55 cm. Der Schwanz ist mit 53 - 65 cm etwas länger als der Rest des Körpers. Männchen haben meist ein schwarzes Fell, woher die Art auch ihren Namen hat. Weibchen sind eher gelbbraun oder olivgrün gefärbt. Neugeborene haben ein goldfarbenes Fell, das sich mit zunehmendem Alter verändert.

Schwarze Brüllaffen (Alouatta caraya) haben lange, kräftige Greifschwänze, welche auf der Unterseite unbehaart sind. Das macht sie empfindlich für Berührungen und sie werden daher wie eine 5. Hand eingesetzt. Das schwarze Gesicht ist meist nackt mit leicht buschigen Augenbrauen. Schwarze Brüllaffen (Alouatta caraya) habe braune Augen, die wie bei allen Primaten nach vorne gerichtet sind. Die Schnauze ist vorstehend und die Nasenlöcher liegen dicht beieinander. Wie andere Brüllaffen haben sie sie ein vergrößertes Zungenbein und einen vergrößerten Kehlkopf, was ihnen diese ernorme Lautstärke bei der Kommunikation ermöglicht. Schwarze Brüllaffen (Alouatta caraya) haben jedoch weniger vorstehende Unterkiefer und nicht so ausgeprägte, gewölbte Bereiche im Hals wie andere Büllaffen. [10][9][1]

Fortpflanzung

Das Paarungsverhalten bei Schwarzen Brüllaffen (Alouatta caraya) ist promiskuitiv ?. Die Weibchen bringen nach einer Tragzeit von etwa 187 Tagen ein einzelnes Junges zur Welt. Studien haben ergeben, dass jüngere Weibchen eine Tragzeit von 10 bis 12 Monaten haben, während ältere Weibchen bereits nach 7 - 10 Monaten gebären. Weibchen umsorgen ihren Nachwuchs für etwa ein Jahr, bevor sie sich erneut paaren. Die Jungen wiegen etwa 125 g bei der Geburt [10][8]. Weibliche Schwarze Brüllaffen (Alouatta caraya) verbleiben in ihrer Geburtsgruppe und haben so noch sehr lange nach Erreichen der Unabhängigkeit engen Kontakt zu ihren Müttern.

Gruppenleben

Männlicher Schwarzer Brüllaffe (Alouatta caraya)
Männlicher Schwarzer Brüllaffe (Alouatta caraya). Besonders imposant ist sein Hodensack.

Die meisten Brüllaffen leben in großen sozialen Gruppen, die in der Regel aus nahe verwandten Tieren bestehen. Diese Gruppierungen scheinen matrilinear ? zu sein, da die Männchen normalerweise, aber nicht immer, ihre Geburtsgruppe verlassen. Die Gruppen bei Schwarzen Brüllaffen (Alouatta caraya) bestehen in der Regel aus 5 bis 8 Individuen, obwohl in freier Wildbahn Gruppen von bis zu 19 Individuen beobachtet wurden. Das Geschlechterverhältnis ist ausgewogen, wobei in den Gruppen tendenziell mehr Weibchen als Männchen leben. Die Weibchen der Schwarzen Brüllaffen (Alouatta caraya) praktizieren Allomothering ?, was bedeutet, dass sich neben der Mutter auch andere Weibchen um die Aufzucht des Nachwuchses kümmern, indem sie die Kleinen herumtragen und pflegen. Auch erwachsene Männchen sind dabei beobachtet worden, wie sie sich um ihren Nachwuchs kümmern. Junge Männchen werden jedoch strikt ferngehalten, da sie die Kleinen oft misshandeln oder sogar töten (Infantizid).

Offene Konflikte sind bei Schwarzen Brüllaffen (Alouatta caraya) nur selten beobachtet worden. Sie entstehen nur zwischen jungen Männchen, die auf der Suche nach einer neuen Gruppe sind. Schwarze Brüllaffen (Alouatta caraya) sind territorial, scheinen aber nur die unmittelbare Umgebung ihrer Reviere zu verteidigen, die sich oft auch überlappen können. Alle Mitglieder einer Gruppe beginnen jeden Morgen mit lautstarkem Gebrüll den benachbarten Gruppen ihre gegenwärtige Position mitzuteilen, vermutlich um Abstand zwischen den Gruppen zu halten.

Schwarze Brüllaffen (Alouatta caraya) hinterlassen morgens und abends oft riesige Haufen ihres Stuhlgangs, was möglicherweise der Reviermarkierung dient. Andere Duftmarkierungen werden hinterlassen, indem sie ihre Körper an Ästen reiben [10][8][3][2].

Ernährung

Schwarze Brüllaffen (Alouatta caraya) sind folivor, d.h. dass sie sich hauptsächlich von Blättern ernähren, wobei ihnen Früchte, Knospen und Blüten ebenfalls zu schmecken scheinen. Sie kommen nur selten auf den Boden herab, da sie ihre Hauptnahrung hoch oben im Blätterdach finden. Nur in besonders trockenen Zeiten steigen sie herunter, um aus Flüssen oder Seen zu trinken oder ihren Speisezettel um wasserreiche, krautige Pflanzen zu erweitern. Ansonsten decken sie ihren Flüssigkeitsbedarf mit der Nahrung ab [3][10][7].

Bedrohung

Schwarze Brüllaffen (Alouatta caraya) sind durch die Abholzung oder den selektiven Holzeinschlag in ihren Lebensräumen bedroht, da sie stark auf die pflanzliche Artenvielfalt der Primärwälder angewiesen sind. Die Jagd auf diese imposanten Affen spielt für ihren Bestand kaum eine Rolle [10][3][6]. Bedroht sind sie hauptsächlich in der brasilianischen Cerrado ? und in der bolivianischen Chiquitano ? durch den Anbau von Soja, sowie durch die Rinderzucht in Argentinien. Zwar befinden sich die Bestandszahlen auf einem Abwärtstrend, doch wegen ihres riesigen Verbreitungsgebiets stuft die Weltnaturschutzunion IUCN den Schwarzen Brüllaffen als nicht gefährdet (Least Concern) ein [11].

Systematik


Literatur

[1] Bicca-Marques und Calegaro-Marquez, 1998; [2] Calegaro-Marques und Bicca-Marques, 1993; [3] Erwin und Mitchell, 1986; [4] Kowalewski und Zunino, 1997; [5] Muckenhirn, 1976; [6] Peres, 1997; [7] Rodrigues und Marinho-Filho; [8] Shoemaker, 1979; [9] Walker, 1999; [10] Welker und Schäfer-Witt, 1990; [11] Fernandez-Duque, E., Wallace, R.B. & Rylands, A.B. 2008. Alouatta caraya. In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 06 April 2010; [12] Rowe, 1996.