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Gorillas (Gorilla)

Rücken und rötlich Stirn des Westlichen Gorillas
Der Berggorilla ist eine Unterart des östlichen Gorillas.

Gorillas unterscheiden sich von den Schimpansen vor allem durch die längeren Arme im Verhältnis zu den Beinen, kürzere und breitere Hände, und vor allem durch ihre Größe und ihr Gewicht. Gorillas werden fast doppelt so schwer wie ihre Vettern.

In der Gattung Gorilla untescheidet man zwei Arten:
1. den Westlichen Gorilla (Gorilla gorilla) mit den beiden Unterarten G. g. gorilla (Westlicher Flachlandgorilla) und G. g. diehli (CrossRiver-Gorilla).

2. den östlichen Gorilla (Gorilla beringei) mit den Unterarten G. b. beringei (Berggorilla), G. b. graueri (östlicher Flachlandgorilla) und einer noch nicht benannten Unterart im Bwindi Impenetrable Forest.

Die westlichen Gorillas verteilen sich auf die Länder Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Kongo, Gabun, Äquatorial-Guinea und Nigeria. Ihre Lebensgrundlage bilden Auen- und höher gelegene Regenwälder sowie Sekundärwälder. Wenn sich die Männchen der Gorillas aufrichten, erreichen sie eine Höhe von 1,70 m, manche sogar 1,80 m, Weibchen nur 1,50 m. Je nach Alter und Größe werden männliche Gorillas 140 - 180 kg schwer, Weibchen ca. 90 kg.

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Das Fell der Westlichen Gorillas ist Graubraun, wobei der Westliche Flachlandgorilla eine rötlich gefärbte Stirn aufweist, besonders die Männchen.

Die Haare der westlichen Gorillas sind nur auf dem Rücken kurz, ansonsten lang. Die Haut der Gorillas ist von Geburt an schwarz und scheint einwenig zu glänzen.

Nach einer Tragzeit von 250 - 270 Tagen kommt für gewöhnlich ein einzelnes Junges zur Welt. Bei Zwillingsgeburten überlebt in der Regel nur eins der beiden Jungtiere.

Westliche Flachlandgorillas werden in freier Wildbahn ungefähr 35 Jahre alt, in Zoos bis zu 50 Jahre. Sie sind als gefährdet anzusehen, wobei die Unterart Cross-River-Gorilla mit nur noch einigen hundert Individuen an der Grenze Nigeria-Kamerun vom Aussterben bedroht ist.

Die östlichen Gorillas verteilen sich auf den Osten der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda und Uganda. Hier bilden Auen- und Gebirgsregenwälder sowie Sekundärwälder ihre Lebensgrundlage. Der Berggorilla (G. b. beringei) lebt in Höhen von 1.650 - 3800 m. Die Haut der östlichen Gorillas ist fast von Geburt an glänzend schwarz. Wie der westliche Gorilla werden sie in der Wildnis ca. 35 Jahre alt und bringen pro Schwangerschaft ein Junges zur Welt. östliche Gorillas werden von der IUCN als gefährdet eingestuft, wobei die Berggorillas mit nur noch 600 Individuen ohne Zweifel als stark gefährdet angesehen werden können.

Um die täglichen Futtermengen zu bewältigen, die Gorillas täglich zu sich nehmen, haben sie sehr große Zähne (insbesondere Molaren) entwickelt. Die kräftige Kaumuskulatur, etwa die Schläfenmuskeln, treffen sich bei männlichen Gorillas in der Mitte des Schädeldachs, wo sie an einem ausgeprägten knöchernen Kamm ansetzen (Sagittal-Leiste). Ähnlich ausgeprägte Knochenkämme kennt man auch von den robusten Australopithecinen, eines Seitenzweigs auf dem Stammbaum des Menschen. Die Eckzähne der Gorillamänner sind relativ zum Körpergewicht sogar größer als bei Schimpansen. Besonders groß fallen sie bei den Cross-River-Gorillas aus, am größten sind sie jedoch bei den Berggorillas. Als Waffen eingesetzt können sie bei Rangkämpfen dem Gegner, aber auch bei etwa angreifenden Raubkatzen tiefe Wunden hinterlassen. Gorillamänner sind außerordentlich kräftig gebaut - erwachsene Tiere können einen Brustumfang haben, der ihrer Körperhöhe entspricht.

Rücken und rötlich Stirn des Westlichen Gorillas
Sehr schön zu sehen: der silbernen Rücken und die rötlich gefärbte Stirn des Westlichen Gorillas.

Gorillas haben kleine Ohrmuscheln und die beiden Nasenlöcher sind von ringförmigen Wülsten umgeben, die bis zur Oberlippe reichen. Durch sein gewaltiges Äußeres, seiner Stärke und dem furchteinflößenden Brusttrommeln stand der Gorilla Pate für den Hollywood-Klassiker „King Kong und die weiße Frau“ - er stand im Ruf, besonders wild und bösartig zu sein. Doch dies ist ein Vorurteil: Berggorillas beispielsweise kann man als besonders friedfertig bezeichnen - in Rwanda nähern sich jährlich hunderte von Touristen zu Fuß den wildlebenden Gorillas bis auf wenige Meter. Gefährlich werden erwachsenen Männchen nur, wenn sie sich von den eindringenden Menschen bedroht fühlen und ihre Gruppe gegen den vermeintlichen Feind verteidigen wollen.

Gorillas leben hauptsächlich auf dem Boden und bewegen sich wie die Schimpansen im Knöchelgang fort. Westliche Gorillas verbringen jedoch auch einen großen Teil der Zeit in Bäumen die Früchte tragen - auch die schweren Männchen. östliche Gorillas bleiben viel mehr auf dem Boden, möglicherweise weil es in Westafrika mehr Fruchtbäume gibt als in Ostafrika. Wenn Früchte rar sind, greifen Gorillas auf Blätter, Mark und andere Pflanzenteile zurück, die in Regenwaldregionen gedeihen, wo viel Licht durch das Blätterdach den Waldboden erreicht. Gorillas sind strikte Vegetarier und müssen daher die meiste Zeit des Tages mit Fressen zubringen, um ihren Kalorienbedarf zu decken. Da können sie nicht weit umherstreifen - obwohl ihr Futtergebiet 5 bis 30 km² umfassen kann, wandern täglich nur einen halben bis zwei Kilometer umher. östliche Gorillas nehmen mehr Blätter zu sich und wandern weniger umher, als ihre westlichen Verwandten. Die Gruppen, in denen Gorillas umherstreifen, sind die dauerhaftesten von allen Großen Menschenaffen. Weil sie Blätterfresser sind, können sie es sich leisten in diesen stabilen Verbänden zu leben und oft monatelang und sogar jahrelang miteinander umherzuziehen. Blätter sind anders als Früchte stets reichlich vorhanden und können große Gruppen ernähren, in Westafrika jedoch, wo Früchte einen größeren Anteil an der Ernährung der Gorillas ausmachen, teilen sie sich auf der Suche nach den raren Leckerbissen oft in Untergruppen auf.

Genau wie Schimpansen und Orang-Utans verbringen Gorillas die Nacht in Schlafnestern, die sie aus gebogenen und abgebrochenen Zweigen bauen. Im Geäst oder auf dem Boden errichtet, bieten die Nester einen guten Schutz gegen die nächtlich aufsteigende Bodenkälte. In Ostafrika stoßen Forscher recht häufig auf soche Schlafplätze, die bei den Zählungen der Tiere sehr hilfreich sein können.

Die beiden Arten der Gorillas leben in weit voneinander liegenden Gebieten des tropischen Afrika. Im Miozän füllte ein riesiger See das Kongobecken, dadurch wurde vermutlich die westliche und östliche Population voneinander isoliert und schlugen fortan einen getrennten Entwicklungsweg ein. Nachdem der See vor 5 Millionen Jahren auszutrocknen begann, sind die Gorillas nicht wieder in das zentrale Kongobecken zurückgewandert, da die die Riesen unter den Primaten auf üppige Bodenvegetation angewiesen sind, deren Wachstum wegen der schattigen Primärwälder verhindert wurde.

Wegen der dichten Vegetation Westafrikas weiß man über die dort lebenden Gorillas verhältnismäßig wenig, da sie sich dort schlechter beobachten lassen. Seltsamerweise ist über das Verhalten der ganz im Osten Afrikas und in unzugänglichen Höhen von bis zu 3.800 m lebenden Berggorillas mehr bekannt. Möglicherweise geht dieser Umstand auf die US-Forscherin Dian Fossey zurück, die sich der Erforschung des Verhaltens und dem Schutz der Berggorillas widmete und einem breiten Publikum bekannt wurde, als im Jahre 1988 Motive aus ihrem Leben unter dem Titel „Gorillas im Nebel“ verfilmt wurden.

Obwohl Gorillas nur in einem kleinen Gebiet Afrikas vorkommen reichen ihre Lebensräume von Meeresniveau im Westen bis in hohe Bergregionen im Osten. Obwohl die Verbände der Gorillas eine Stärke von bis zu 40 Individuen aufweisen können, besteht eine durchschnittliche Gruppe im Osten aus mindestens drei Weibchen, vier bis fünf Jungtieren unterschiedlichen Alters und einem ausgewachsenen Männchen, die man wegen ihres silbrig glänzenden Rückenfells als „Silberrücken“ bezeichnet. Westliche Gruppen, die mehr als 10 Individuen zählen sind sehr selten, während ihre östlichen Vettern Gruppen aus 15 bis 20, ja sogar bis 30 Individuen zählen können.

Rund drei Viertel der geschlechtsreifen Gorillaweibchen verlassen ihre Geburtsgruppe, um sich einem benachbarten Silberrücken anzuschließen. Jedoch bleiben sie für gewöhnlich nicht beim erstbesten Männchen - ein Auswahlkriterium scheint die Qualität des Lebensraums und die Kampfkraft des Männchens zu sein. Dem Silberrücken obliegt es nämlich, die Weibchen und ihre Kinder außer vor Fressfeinden vor allem vor anderen Männchen zu schützen. Die Auswahl des Richtigen ist daher sehr wichtig, da sich die viel schwächeren Weibchen auf andere Weise kaum verteidigen können.

Mit dem Erreichen der Pubertät verlassen auch rund die Hälfte aller Männchen ihre Geburtsgruppe und ziehen anfangs allein oder in Gesellschaft anderer Junggesellen umher, bis sie Weibchen einer anderen Gruppe erobern und einen eigenen Harem aufbauen können. Ob die jugendlichen Männer in der Gruppe bleiben oder nicht, hängt vermutlich mit der Anzahl der geschlechtsreifen Weibchen ab - und davon, ob der dominante Silberrücken ihnen den Zugang zu den Weibchen erlaubt. Für die untergeordneten Ränge bleibt es dennoch schwierig, sich zu paaren. Hat ein Gorillamann erstmal seinen eigenen Harem aufgebaut sieht er sich sogleich mit alleine lebenden Männchen konfrontiert. Die mitunter heftigen Auseinandersetzungen können für den Verlierer - gewöhnlich das alleinstehende Männchen - tödlich enden.

Einer Schätzung aus dem Jahr 1996 zufolge gibt es ungefähr 112.000 Westliche Gorillas, etwa 10.000 östliche Flachlandgorillas und nur noch einige Hunderd Berg- und Cross-River-Gorillas. Der Gesamtbestand beläuft sich somit auf geschätzte 125.000 Tiere, die genaue Zahl wildlebender Gorillas ist aber nicht bekannt. Über zwei Drittel aller Gorillas leben in Gabun und der Republik Kongo mit ihren großen Waldflächen und geringen menschlichen Bevölkerungsdichte. Jedoch hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Zahl der Menschen in den Ländern, in denen Gorillas leben, fast vervierfacht - so werden überall im Verbreitungsgebiet der Gorillas Wälder abgeholzt, um Hölzer für den Export zu gewinnen oder um sie in Farmland umzuwandeln. Geht die Vernichtung der Wälder und die Bevölkerungsexplosion so weiter, wird es in absehbarerzeit keine Gorillas außerhalb der Naturschutzgebiete mehr geben. Die Anziehungskraft der Gorlllas auf Touristen könnte jedoch ihre Rettung sein. Die Erträge aus touristischen Programmen könnten die lokale Befölkerung dazu bringen, die Gorillas und ihren Lebensraum zu schützen. So gibt es bereits Grund zur Hoffnung, denn die Virunga-Population der Gerggorillas in den kriegserschütterten Regionen des Kongo, Ugandas und Ruandas sind seit Jahrzehnten mit mehreren hundert Tieren stabil geblieben.

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