Veilchen

Veilchen

Hainveilchen (Viola riviniana)

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Veilchengewächse (Violaceae)
Unterfamilie: Violoideae
Gattung: Veilchen
Wissenschaftlicher Name
Viola
L.

Veilchen oder Violen (Viola) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Veilchengewächse (Violaceae). Von den etwa 500 Arten gedeihen die meisten in den gemäßigten Zonen der Erde. Die Zentren der Artenvielfalt liegen in Nordamerika, den Anden und Japan. Man findet sie jedoch auch in Australien und Tasmanien. Bekannte Arten sind Stiefmütterchen, Hornveilchen und Duftveilchen.

Beschreibung

Illustration von Viola gracilis.
Blütendiagramm.
Geöffnete dreiklappige Kapselfrucht von Viola missouriensis.
Samen von Viola lactea (dunkel) und Viola odorata (hell).

Erscheinungsbild und Blätter

Veilchen-Arten wachsen als ein- oder zweijährige oder meist ausdauernde krautige Pflanzen, sowie selten Halbsträucher. Oft werden Rhizome als Überdauerungsorgane gebildet. Es können mehr oder weniger lange, kriechende bis aufrechte, oberirdische Sprossachsen ausgebildet sein oder fehlen.

Die Laubblätter können alle grundständig zusammen stehen oder an der Sprossachse wechselständig verteilt angeordnet sein. Die Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreiten sind einfach oder geteilt. Der Blattrand ist glatt oder gezähnt. Die kleinen bis großen, laubblattähnlichen Nebenblätter sind frei oder mehr oder weniger lang mit den Blattstielen verwachsen.

Blüten

Die Blüten stehen einzeln in den Blattachseln auf Blütenstielen, die zwei Deckblätter besitzen. Oft sind die Blüten dimorph, die kleistogamen (geschlossenbleibenden) Blüten entwickeln sich später als die chasmogamen (sich öffnenden).

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fast gleichen fünf freien oder fast freien Kelchblätter besitzen meist krautige Öhrchen (Anhängsel) an ihrer Basis. Die fünf freien Kronblätter sind deutlich ungleich. Das unterste Kronblatt ist das größte und an seiner Basis gesport. Es ist ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden. Die freien Staubfäden sind relativ kurz. Die aufrechten Staubbeutel sind frei oder meist bilden eine Umhüllung um den Fruchtknoten. Die beiden unteren Staubbeutel ragen in den Sporn hinein und besitzen sporn- oder warzenartige, nektarsekretierende Anhängsel an ihrer Basis. Drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, einkammerigen Fruchtknoten verwachsen. Jeder Fruchtknoten enthält viele anatrope Samenanlagen in parietaler Plazentation. Der fast aufrechte oder meist mehr oder weniger nach unten gekrümmte Griffel ist mehr oder weniger verdickt oder manchmal allmählich nach oben hin verschmälert und ist glatt oder besitzt unterschiedliche Anhängsel. Die Narbe ist je nach Art unterschiedlich geformt.

Früchte und Samen

Die lokulizidalen Kapselfrüchte öffnen sich mit drei elastischen Klappen, die gekielt oder unterseits verdickt sind.

Die kugeligen bis eiförmigen Samen besitzen eine helle bis dunkle, meist glatte Oberfläche. Es kann ein Arillus vorhanden sein. Die Samen enthalten reichlich Endosperm und einen geraden Embryo mit zwei sehr dicken, plano-konvexen Keimblättern (Kotyledonen).

Nutzung

Manche Veilchen-Arten und -Sorten werden als Zierpflanzen verwendet. Einige Arten und Sorten dienen als Heil- sowie Küchenpflanzen und werden zu kosmetischen Zwecken genutzt.

Veilchen als Zierpflanzen

In Parks und Gärten in Beeten oder Pflanzgefäßen findet man als Zierpflanzen vorwiegend das Duftveilchen, das Hornveilchen und, wohl am häufigsten kultiviert, das Gartenstiefmütterchen, außerdem das Hain-Veilchen mit der Form 'Purpurea' (vielfach nicht zutreffend als Viola labradorica bezeichnet), das Pfingstveilchen mit den Sorten 'Albiflora' und 'Freckles' sowie einige alpine Arten für den Steingarten. Das Parma-Veilchen ist heute eher selten in Gärten anzutreffen.

Nicht zur Gattung der Veilchen (Viola) gehören dagegen die Alpen- und die als Zimmerpflanzen bekannten Usambaraveilchen.

Veilchen als Heil- und Küchenpflanzen

Duftveilchen, insbesondere März- und Parmaveilchen, spielten lange Zeit eine wichtige Rolle in der Kräuterkunde. Außer im Bereich der Naturheilkunde, insbesondere der Aromatherapie, finden sie keine Verwendung mehr. Blüten von Duft- und Hornveilchen lassen sich ebenso wie Stiefmütterchenblüten auch kulinarisch verwerten und gehören beispielsweise zu den Zutaten des ursprünglichen Birne Helene-Rezepts. Die bekannten Veilchenpastillen werden allerdings mit synthetischen Veilchenduftstoffen (Jononen) aromatisiert.[1] Mit Veilchen aromatisierter Likör heißt Crème de Violette und wird mindestens seit dem frühen 19. Jahrhundert hergestellt.

Veilchen in der Parfümerie

Die Blüten von März- und Parmaveilchen sind seit Jahrhunderten zu kosmetischen Produkten verarbeitet worden. Das natürliche Veilchenblütenabsolue ist heute praktisch verschwunden und wird von der Kosmetikindustrie durch die synthetischen Jonone ersetzt. Veilchenblätterabsolue (von Viola odorata) wird dagegen weiterhin in großem Umfang bei der Parfümproduktion eingesetzt. Sogenanntes "natürliches Veilchenparfüm" wird überdies seit langer Zeit aus der so genannten Veilchenwurzel/Iriswurzel gewonnen, dabei handelt es sich um getrocknete Rhizome verschiedener Irisarten.[2]

Etymologie

Für den wissenschaftlichen Namen Viola wird eine unabhängige Entlehnung des lateinischen viola und des altgriechischen íon oder víon aus einer Mittelmeersprache angenommen. Eine genaue Entsprechung des lateinischen Wortes findet sich auch im griechischen Namen Iólē, oder älter Viólā, der mythologischen Tochter des Königs Eurytos von Oichalia auf Euboia.[3]

Der deutsche Name Veilchen ist direkt auf die lateinische Bezeichnung Viola zurückzuführen, das althochdeutsch zu fiol wurde.

Der Name Stiefmütterchen soll auf einen Vergleich zurückgehen: die beiden oberen, gewöhnlich ohne Zeichnung ausgestatteten Kronblätter sind die Stieftöchter, die seitlichen, auffällig gezeichneten Kronblätter die leiblichen Töchter und das große untere Kronblatt mit dem großen Saftmal die Mutter.

Veilchen in Mythologie, Brauchtum und Literatur: siehe Duftveilchen.

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Viola erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2, S. 933-937. Typusart ist Viola odorata L.. Synonyme für Viola L. sind Erpetion Sweet und Mnemion Spach. Die Gattung Viola gehört zur Tribus Violeae in der Unterfamilie Violoideae innerhalb der Familie der Violaceae.[4] Die Gattung Viola ist in mehrere Untergattungen gegliedert, beispielsweise Chamaemelanium, Dischidium, Erpetion, Melanium.

Viola abyssinica
Blüte von Viola adunca
Viola aethnensis
Viola alpina
Viola arborescens
Viola arvensis
Viola beckwithii
Viola bertolonii
Viola betonicifolia
Viola biflora
Viola brevistipulata
Viola canadensis
Viola cenisia
Viola chaerophylloides
Viola charlestonensis
Viola crassa subsp. borealis
Viola diversifolia
Viola elatior
Viola guestphalica
Viola keiskei
Blüten von Viola lactea
Viola lutea ssp. sudetica
Viola mirabilis
Viola missouriensis
Viola nephrophylla
Viola ocellata
Viola odorata
Viola orientalis
Viola palmata
Viola palmensis
Viola palustris
Viola pedata mit handförmig geteilten Laubblättern
Viola pedunculata
Viola philippii
Blüten von Viola philippica
Viola pinnata
Viola portalesia
Viola praemorsa
Viola pumila
Viola reichenbachiana
Viola tricolor
Viola x wittrockiana

Die Gattung Viola enthält über 500 bis 550 Arten[4]:

Quellen

  • Yousheng Chen, Qiner Yang, Hideaki Ohba & Vladimir V. Nikitin: Violaceae. Viola - online., In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 13: Clusiaceae through Araliaceae. Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2007, ISBN 978-1-930723-59-7, S. 138.. (Abschnitt Beschreibung und Systematik)
  • David Henriques Valentine, Hermann Merxmüller, Alexander Schmidt: Viola L. In:

Einzelnachweise

  1. Richard Willfort: Gesundheit durch Heilkräuter: Erkennung, Wirkung u. Anwendung. 11. Aufl., Trauner, Linz 1971. ISBN 3-85320-001-X.
  2. Dieter Martinetz, Roland Hartwig: Taschenbuch der Riechstoffe: ein Lexikon von A-Z. Harri Deutsch, Thun 1998, ISBN 3-8171-1539-3.
  3. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7 (Nachdruck von 1996).
  4. 4,0 4,1 Eintrag bei GRIN.
  5. 5,0 5,1 5,2 Matthias Erben: Cytotaxonomische Untersuchungen an südosteuropäischen Viola-Arten der Sektion Melanium. In: Mitteilungen der Botanischen Staatssammlung München. Band 21, Nr. 2, 1985, S. 339–740, online.
  6. Thomas Raus: Additions and amendments to the flora of the Karpathos island group (Dodekanesos, Greece). In: Botanika Chronika. Band 12, 1996, S. 21–53.
  7. Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/0852241593 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen Vorlage:Neuer Abschnitt an.

Ergänzende Literatur

  • Fritz Köhlein: Viola - Veilchen, Stiefmütterchen, Hornveilchen. Eugen Ulmer, Stuttgart 1999, ISBN 3-8001-6655-0.
  • Elisabeth Mayer: Wildfrüchte, Wildgemüse, Wildkräuter. 2. Aufl., Leopold Stocker Verlag, Graz 2001, ISBN 3-7020-0835-7, S. 31–32.
  • Marion Nickig, Elke von Radziewsky: Stiefmütterchen und Veilchen. Ellert & Richter, Hamburg 1999, ISBN 3-89234-837-5.

Bestimmungsschlüssel

Weblinks

Commons: Veilchen (Viola) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Veilchen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen