Zieste


Zieste

Wald-Ziest (Stachys sylvatica L.)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Gattung: Zieste
Wissenschaftlicher Name
Stachys
L.

Zieste (Stachys) sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Beschreibung

Stachys-Arten sind meist aufrechte, einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, selten auch Halbsträucher oder kleine Sträucher. Manchmal werden Rhizome als Überdauerungsorgane gebildet.

In dichten Scheinquirlen, die in den Achseln von hochblattartigen Laubblattpaaren stehen, sind die Blüten angeordnet. Der Blütenstand ist jedoch nicht besonders vom belaubten Stängel abgesetzt. Es handelt sich um typische Blüten der Lippenblütler. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelten Perianth. Die fünf grünen Kelchblätter sind röhrig bis glockenförmig verwachsen. Die Farbe der Blütenkronblätter ist unterschiedlich, je nach Art rötlich, rosa, gelb oder weiß. Ober- und Unterlippe sind stets vorhanden. Die Oberlippe ist mehr oder weniger flach, jedenfalls nicht stark ausgehöhlt. Die vier Staubblätter ragen aus der Kronröhre heraus, überragen jedoch nicht die Oberlippe. Das einzige abweichende Blütenmerkmal ist, dass die Staubblätter, zumindest die beiden äußeren, spätestens gegen Ende der Blütezeit gedreht und nach außen gebogen sind.

Als Früchte werden dreikantige Klausenfrüchte gebildet.

Vorkommen

Die Gattung Stachys ist mit rund 300 Arten auf der ganzen Welt mit Ausnahme Australiens und Neuseelands verbreitet. Verbreitungszentren sind das Mittelmeergebiet mit dem Nahen Osten sowie Südafrika und Chile.

Systematik und Etymologie

Der Gattungsname Stachys wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum[1] erstveröffentlicht. Typusart ist Stachys sylvatica. Früher war ein Teil der hier eingeordneten Arten in die eigene Gattung der Betonica L. eingegliedert, heute gilt dieser Name als Synonym.

Der deutsche Name Ziest ist ein märkisches Lehnwort aus dem Sorbischen. Die mit š anlautende Urform entstammt genauer direkt dem Oberwendischen čisćik. Der ts-Anlaut wurde durch den im Mittelmärkischen üblichen Wandel des (t)š in ts bei Lehnwörtern aus dem Wendischen geformt. Dieser Wandel findet sich auch im Niederwendischen cysć, sowie im tschechischen čistek, im polnischen czyściec und russischen Чистец.[2] Der Wissenschaftliche Name Stachys hingegen leitet sich aus dem Indogermanischen *stengh- oder *stngh- (= stechen) ab, aus dieser Wurzel entstammt auch das lateinische spica (= die Ähre). Der Name bezieht sich auf die Scheinähren, die die Gattung ausbildet.

Früher wurden die Arten, denen der unangenehme Geruch fehlt, der Gattung Betonien zugeordnet, dann wählte man die sterilen Blattrosetten, das Verhältnis der Stiels der grundständigen Blätter zur Spreite, oder den Haarring in der Kronröhre als Unterscheidungsmerkmal. Heute sind beide Gattungen vereint.

Der Gattungsname Betonica entstammt dem lateinischen: bētōnica, das sich zum Beispiel in Plinius Naturkunde oder Scribonius Largus findet; auch der Begriff vettōnica schien gebräuchlich, den Plinius ebenfalls erwähnt, oder der sich in Pelagonius De re veterinaria findet. Die Namen gehen auf den keltischen Stamm der Vectōnēs oder auch Vettōnēs, der in Lusitanien auf der iberischen Halbinsel lebte. Die romanischen Formen, wie zum Beispiel ital. bettonica, span. betónica oder frz. bétoine haben sich zum Teil in Dialekten mit britannicus (= britisch) gemischt. Eine Herkunft aus dem keltischen bentonic, wie zum Beispiel Georg Christoph Wittstein behauptet, ist jedoch ausgeschlossen.[3]

Arten (Auswahl)

Stachys arabica
Acker-Ziest (Stachys arvensis)
Woll-Ziest (Stachys byzantina)
Scharlach-Ziest (Stachys coccinea)
Korsischer Ziest (Stachys corsica)
Klebriger Ziest (Stachys glutinosa)
Stachys ionica
Großblütiger Ziest (Stachys macrantha)
Heil-Ziest (Stachys officinalis)
Sumpf-Ziest (Stachys palustris)
Aufrechter Ziest (Stachys recta)

Es gibt etwa 300 Ziest-Arten (Stachys):[4]

Quellen

Literatur

  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 5: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Asteridae): Buddlejaceae bis Caprifoliaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-3342-3, S. 180.
  • Xi-wen Li, Ian C. Hedge: Stachys. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 17: Verbenaceae through Solanaceae. Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 1994, ISBN 0-915279-24-X, S. 178., online. (Abschnitt Beschreibung und Systematik)
  • P. W. Ball: Stachys L. In:
  • Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band. 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.

Einzelnachweise

  1. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Impensis Laurentii Salvii, Holmiae 1753, S. 580, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D2%26issue%3D%26spage%3D580%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D
  2. Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. dtv, München 1999, ISBN 3-423-59045-9, S. 1235 (Nachdruck der Erstausgabe 1854–1971).
  3. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7 (Nachdruck von 1996).
  4. Die Gattung bei GRIN.

Weblinks

Commons: Zieste (Stachys) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien